Archiv für ‘Energie’

12. März 2011

Sicher ist nur das Risiko

Zum Erdbeben und die Folgen für die Atomkraftwerke in Japan sagt die Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Marlene Löhr:

Fassungslos und zutiefst erschüttert blicken wir nach Japan. Das Unglück ist unvorstellbar und den Betroffenen gilt unser ganzes Mitgefühl und Beileid. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Informationspolitik der japanischen Regierung katastrophal ist. Man gewinnt den Eindruck, dass sie selber nicht genau weiß, was in ihren Atomkraftwerken passiert.

Das Unglück zeigt aber auch: Sicherheit ist relativ und bezieht sich immer nur auf den von Menschen gesteckten Rahmen. Die japanischen Atomkraftwerke galten als relativ sicher und waren auf Erdbeben bis zu einer Magnitude von 8,5 ausgelegt. Nun hat die Erde in Japan mit 8,9 gebebt. Gerade in Schleswig-Holstein gelten unsere sorgenvollen Gedanken den “sicheren” Pannenmeilern Krümmel und Brunsbüttel. Verantwortungsvoll wäre es einzig und allein die Meiler nie wieder ans Netz gehen zu lassen, denn sicher ist nur das Risiko.

11. November 2010

Grüne Technologien: Eine Chance für Zusammenarbeit, Innovation und Veränderung

Beitrag von der Young Leaders in Dialogue Konferenz in Prag, ausgerichtet von U.S. State Department.

Podiumsteilnehmer:
Martin Bursik, ehemaliger tschechischer Umweltminister
Fabian Hillairet, Clean Technologies Manager, E-mobilty, CEZ
Ondrek Sramek, Public Affairs Manager, Knauf Insulation

Neben dem ehemaligen tschechischen Umweltminister haben zwei Firmen grüne Technologien präsentiert: Ein Stromversorger, der sich intensiver mit Elektroautos beschäftigt und eine Firma, die Häuser saniert und dämmt.

Besonders die Präsentation von Ondrek Sramek hat einige interessante Gedanken und Infos enthalten, unter anderen hat sie das Problem der Energieintensität von Gebäuden sehr deutlich gemacht hat. 38,7% des EU-Energieverbrauches geht in Häuser, durch ökologische Sanierung können bis zu 90% eingespart werden. Weitere positive “Nebeneffekte” der Gebäudesanierung wären die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Geldersparnis der Haushalte [Geld, das dann anderswo investiert oder gespart werden könnte]und die Erhöhung der Energiesicherheit (wenn ich nicht mehr so viel Energie brauche, dann bin ich auch nicht mehr so abhängig von ausländischen Importen).
Sramek hat deutlich gemacht, dass sich die meisten Staaten in einem wirtschaftlichen Teufelskreis befinden, der gebrochen werden muss, um das Klimaproblem angehen zu können.

Mit einer wachsenden Wirtschaft wird auch mehr Energie verbraucht. Zum jetzigen Zeitpunkt heißt mehr Energieverbrauch, dass das Risiko steigt, diesen Bedarf decken zu können, da viel unserer Energie (Öl, Gas, Kohle, etc.) importiert ist.

Die Frage ist jetzt wie man den Teufelskreis durchbrechen kann. Sramek hat dabei das Beispiel Dänemarks angeführt, welches seit gut 20 Jahren seinen Endenergieverbrauch auf einem konstanten Level hält und trotzdem ein Wirtschaftswachstum auf EU-Durchschnitt generiert.

Endenergieverbauch Dänemarks 1997-2008

Quelle: Eurostat

Zum Schluss ging es dann einer Diskussionsrunde nochmal um verschiedene Themen, folgenden Gedanken zu E-Mobiltät und einen Linktipp habe ich mitgenommen:

Warum wird bei Elektroautos immer Akku und Auto zusammengedacht? Wäre es nicht viel effizienter, den Besitz von Batterie und Auto zu trennen und zum tanken an der Tankstelle einfach den Batterieblock auszutauschen? (Einwand von Fabian Hillairet: Die europäischen und amerikanischen Hersteller würden sich nie auf eine standardisierte Batterie einlassen, die in alle Autos passt).

Linktipp: Das Beratungsunternehmen hat einen Bericht über die Kosten der Verringerung des C02-Ausstoßes verfasst, der lesenswert ist. (Englisch)

9. November 2010

92 Stunden Widerstand

Jetzt ist der Castor im Zwischenlager angekommen – nach einem neuen Streckenrekord von 92 Stunden und mehrern Tagen an wahrem Ausnahmezustand im Wendland. Die Schienenblockade bei Harlingen, an der ich mich auch beteiligt habe, dauerte insgesamt 20 Stunden und hatte 5000 Teilnehmer. Das hat es noch nie gegeben.

Bereits am Sonntag Abend hatten wir damit gerechnet jederzeit geräumt zu werden. Der Castor war um 17 Uhr in Lüneburg losgefahren und somit nur noch wenige Kilometer von der Gleisblockade in Harlingen entfernt. Doch was fehlte waren Polizeikräfte. Zu diesem Zeitpunkt hätte uns in Harlingen niemand räumen können. Statt dessen trafen immer mehr Menschen ein, die uns mit Decken, warmen Getränken und Essen versorgten. Die Polizei errichtet netterweise :-) mehrere Lichtanlagen, so dass auf der Schiene die Nacht zum Tag gemacht werden konnte. Mehrere Musikgruppen zogen an der Schiene entlang und unterhielten die Demonstranten. Es wurde viel getanzt, gelacht und geschnackt und die ganze Szenerie sah eher nach einer großen Party aus als nach der größten Gleisblockade aller Zeiten.

Sonntag morgen um 6.30 Uhr hatte dies alles seinen Anfang im Camp von Widerstetzen in Hitzacker. Dort trafen wir uns zu einem Aktionstraining, um uns für den Tag gut vorzubereiten. Doch das Zelt für das Training war viel zu klein – hunderte Aktionswillige standen noch “vor der Tür” als die Menschen im Zelt schon dicht an dicht saßen. Kurzerhand wurde ein zweites Aktionstraining unter freiem Himmel durchgeführt, um alle mit den nötigen Informationen zu versorgen. Hauptaufgabe war es sich in sogennanten Bezugsgruppen zusammenzuschlißen. Das sind Teams zwischen 4-10 Leuten, die ihre Namen austauschen und bei der Aktion später beieinander bleiben. In diesen Gruppen sollten sich möglichst gleichgesinnte zusammen schließen, das heißt nur Leute die sich nicht anketten wollen oder nur Leute die auch bis zur Räumung bleiben. Besonders spannend: Ungefähr die Hälfte aller Aktionsteilnehmer hatte noch nie an einer Blockade-Aktion teilgenommen, darunter viele ältere Menschen über 50. Wütend über die Laufzeitverlängerungen von schwarz-gelb und die Vorfestlegung auf Gorleben hatten sie sich dieses mal entschlossen, dass bloßes Demonstrieren nicht mehr ausreicht. Dieses mal sollte es mehr sein.

Einige Meter entfernt rauchten die Köpfe des Widersetzen-Teams. Mit so vielen Menschen hatten sie nicht gerechnet und nun musste die “Anreise” zur Aktion nochmal durchgeplant werden. Letztendlich waren aber alle mit Bezugsgruppen und Anreiseplan versorgt und gegen 11 Uhr ging es los Richtung Tollendorf. Von dort war ein längerer Marsch durch den Wald nötig, um zur Schiene zu kommen. Als wir diese gegen 13 Uhr erreichten, saßen bereits ungefähr 1000 Menschen auf den Gleisen und freuten sich über die Verstärkung durch uns. Schienenkilometer 188 war für den Castor erstmal blockiert.

Gegen 21 Uhr saßen dann bereits 5000 Menschen auf den Gleisen und die Polizei fragte sich, wie sie diese Blockade räumen sollte. Das Problem: Bei Harlingen gibt es eine Schienenabschnitt der in einer Senke liegt. links und rechts der Schiene steigt die Böschung ca 5-8 Meter steil an und macht ein räumen unmöglich. Ein weiteres Problem: Die wendländischen Bauern hatten alle Zufahrtsstraßen ins Wendland mit Treckerblockaden dicht gemacht, so dass die Polizei nur sehr schwer Einsatzkräfte heranziehen konnte. Der Castor war inzwischen in Dahlenburg über Nacht zwischen geparkt worden – das hatte es noch nie gegeben.

Gegen 1 Uhr nachts war es dann soweit: Die Polizei hatte eine Gefangenensammelstelle (GeSa) in ca. 1 Kilometer Entferung von der Blockade auf einem Feld errichetet. Hierhin sollten alle Schienenbesetzer gebracht werden. Zuvor hatte das Team von Widersetzen mit der Einsatzleitung der Poliezi ausgehandelt, dass wir dort nur so lange festgehalten werden würden, bis der Castor in Dannenberg angekommen ist. Insgesamt muss man sagen, dass die Räumaktion von beiden Seiten her friedlich verlief. Die Polizei hat sich desekslierend verhalten und ohne Helm und Sturmhaube geräumt und die meisten Demonstranten haben es den Einsatzkräften nicht unnötig schwer gemacht sie wegzubringen. Viele sind nach einen kurzen Stück des getragen werdens das restliche Stück gelaufen.

5 Stunden später war der letze Mensch von der Schiene geräumt und die Aufräumarbeiten konnten losgehen. 3 weitere bitterkalte Stunden später rollte der Castor wieder – direkt an der GeSa vorbei. Der Überlegung, dass der Zug gerade über die Stelle gerollt ist, auf der ich 18 Stunden gelegen haben hat etwas unheimliches. Viele haben die Vorbeifahrt mit Pfiffen und Buh-Rufen begleitet. Danach haben alle recht schnell ihr Sachen gepackt und wir sind – wie vorher versprochen – freigelassen worden. Ohne Personalienfeststellung.

Wie im Trance ging es dann die Strekce zum Camp zurück – laufen – Auto fahren – wieder laufen. Danach warennichts mehr möglich außer zu schlafen.

4 Stunden Bulli-Schlaf später waren bereits 4 Castorbehälter auf LKW verladen und ich einigermaßen wieder fit. Eine weitere Nacht auf der Straße in der Kälte hätte ich nicht durchgeahlten. Kurzerhand habe ich mich entschieden einen mobilen Info- und Shuttleservice einzurichten und durch das Wendland zu fahren. Erste Station: Infopunkt auf der Essowiese in Dannenberg. Hier habe ich einen Zettel hinterlassen, dass mich anrufen kann, wer eine Fahrt innerhalb des Wendlandes braucht. Dann weiter zum Camp Gedelitz (Nahe Gorleben). Hierhin einen Weg zu finden war eine echte Aufgabe und die Detailkarte meiner Eltern (zwar noch aus DDR-Zeiten, aber immerhin) hat sich als echter Glücksgriff erwiesen. Über Feld-und Nebenstrecken ist es mir gelungen ohne Polizeikontrollen und Bauernsperren nach Gedlitz zu kommen. Die Strecke habe ich getwittert, um anderen auch noch zu ermöglichen an der inzwischen entstandenen Sitzblockade vor dem Zwischenlager Gorleben teilzunehmen. Interessanterweise hat die Polizei davon anscheinend nichts mitgekommen. Ich bin die Strecke an dem Tag noch ein paar Mal gefahren und sie hat immer wieder so funktioniert. Das nennt  man vernetzen Widerstand. :-)

Am späten Abend habe ich dann noch die Strecke nach Lüneburg zurück gelegt, um mich für die Nacht in ein richtiges Bett legen zu können. Bei Metzingen brannte eine Straßenblockade, die bei meiner Ankuft von zwei Wasserwerfern gerade gelöscht wurde. Die Blockade war für die Verhinderung von Polizeinachschub ins Wendland offenbar erfolgreich: Nach der Lösung und Räumung der Barrikade fuhren hunderte Polizeiwagen an mir vorbei in Richtung Wendland.

Erst am frühen morgen wurde die Blockade vor dem Zwischenlager geräumt und auch der Greenpeace LKW, der sich vor dem Verladebahnhof in Dannenberg festgemacht hatte, war beseitigt worden. Der Castor konnte losfahren und hatte gegen 10 Uhr das Zwischenlager in Gorleben erreicht. Nach 92 Stunden – unendlich viel kreativen Widerstand und vööliger Erschöpfung sowohl auf seiten der Demonstranten als auch auf Seiten der Polizei.

Es ist sehr zu hoffen, dass sich aus diesem Ausnahmetransport jetzt eine grundsätzliche Debatte um das Zwischenlager in Gorleben entfacht. Wir brauchen eine offene Endlagersuche in Deutschland, die nach transparenten Kriterien druchgeführt wird und von der sich kein Bundesland vorher ausklinken kann. Die Vorfestlegung auf Gorleben ist politisch und geologisch in höchsten Maße gefährlich. Die Asse liegt nur wenige Kilometer weit entfernt und säuft gerade ab. Gleiches ist in Gorleben zu befürchten. Zudem befindet sich unter dem Salzstock ein Gasvorkommen, was noch keiner richtig einschätzen kann. Für die jahrtausende lange Lagerung von Atommüll ist Gorleben ungeeignet.

7. November 2010

Auf der Schiene in Harlingen

Es ist geschafft! Ich sitze bei Harlingen mit 1800 anderen auf den Gleisen.
Der Tag begann um 5 Uhr heute Morgen mit der Anreise ins Widersetzen-Camp Hitzacker. Nach einem Aktionstraining um 7 Uhr ging die meiste Zeit mit planen und organisieren der Gruppen weiter. Man bildet sogenannte Bezugsgruppen, in der sich mehrere Menschen zusammen tun, die dann bei der Aktion aufeinander aufpassen. Nach einigen Stunden ging es dann im Autokonvoi aus Hitzacker raus Richtung Tollendorf. Bereits in Hitzacker wurde der Konvoi komplett von der Polizei auseinander genommen, dabei ging es aber nur darum, ob wir Brandsätze dabei haben… Danach sind wir über Feldwege nach Tollendorf gefahren und von dort aus zu Fuß durch den Wald gelaufen. Auf der Schiene saßen bei unserer Ankunft bereits ca. 1000 Leute.
Polizeipräsenz war sehr gering, auch jetzt rücken nur wenige Einsatzkräfte nach. Der Castor steht derweil zwischen Celle und Uelzen und kommt wegen einer Blockade nicht voran. Es dauert hier also noch mindestens zwei Stunden bis der Castorzug Lüneburg verlassen kann. Solange machen wir es uns hier auf dem Gleis nett…

4. November 2010

Zeigt Angela Merkel die rote Karte

Am kommenden Wochenende wird sich ein breites gesellschaftliches Bündnis ins Wendland aufmachen, um gegen die skrupellose Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung zu protestieren. Dazu erklärt die Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Marlene Löhr:

Mit dieser Laufzeitverlängerung richtet die Bundesregierung nicht nur gesellschaftspolitisch großen Schaden an, auch ökonomisch sind die Auswirkungen fatal. Besonders Stadtwerke und Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren Energien haben sich bei ihren Investitionsentscheidungen auf die Gültigkeit des Atomausstiegs verlassen.

In Gorleben wird sehr deutlich, dass Atomkraft keine Zukunftstechnologie ist. Nahezu verzweifelt klammert sich die Bundesregierung an Gorleben als mögliches Endlager, obwohl es massenweise Vorbehalte und Warnungen dagegen gibt. Doch genauso wie auch schon die Laufzeitverlängerung, fiel auch die Entscheidung für die weitere Erkundung des Salzstocks ganz im Sinne der eigenen Klientel aus.

Wir Grüne werden am Sonnabend zusammen mit vielen Schleswig-HolsteinerInnen ins Wendland fahren und gegen die Atompolitik der Bundesregierung protestieren. Landesweit fahren mehr als 15 Busse zur Demo und einige wenige Plätze sind noch frei. Kommt mit und zeigt Frau Merkel die rote Karte!

„Keiner hat das Recht zu gehorchen” (Hannah Arendt).

16. März 2010

Auf dem Weg zu 100% Erneuerbaren Energien

Bericht von der Internationalen Konferenz zur Europäischen Energiepolitik der Heinrich-Böll-Stiftung.
Podium: Auf dem Weg zu 100% Erneuerbaren Energien? Potentiale und Instrumente für eine europäische Energiewende.

Teilnehmer:
Claudes Turmes
- stellv. Vorsitzender der Grünen im Europaparlament, Energieexperte

Michele Schreyer
- war Mitglied der Europäischen Kommission, jetzt Vizepräsidentin der Europäischen Bewegung e.v.

Arne Mogren
- Vizepräsident für Klimapolitik, Vattenfall AB

Christian Hey
- Sachverständigenrat für Umweltfragen

Das Podium ist der Einstieg in die Konferenz und soll einen Überblick über zu diskutierende Themen geben. Der Fokus
der Runde lag vor allem auf den Potentialen der Eneuerbaren Energien in Europa.

Christian Hey vom Sachverständigenrat für Umweltfragen begann mit der Darstellung mehrerer Szenarien, die für den Umweltrat gerechnet wurden. Alle Szenarien gehen davon aus, dass eine 100% Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050 möglich sein wird. Hey stellte dar, dass eine nationale Selbstversorgung mit Erneuerbaren möglich wäre,
allerdings sehr teuer sein würde. Eine Kooperation mit den Skandinavischen Staaten sorge preistechnisch schon dafür, dass eine Versorgung mir erneuerbaren Energien deutlich günstiger würde. Generell ist aber zu erwarten, dass der Preis für Strom mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien deutlich sinken wird (national 12 cent/KWh – kooperativ 6 cent/KWh). Rückschrittlichster Bereich im der deutschen und europäischen Energiepolitik ist nach Hey das Feld der
Energieeffizienz. Von dem Engagement in diesem Bereich hinge auch der zukünftige Strompreis maßgeblich ab.

Die bereits historisch hohe Bedeutung von Kooperation im Energiebereich auf EU-Ebene stellt Michele Schreyer dar. Mehrmals in der Vergangenheit habe man festgestellt, dass energiepolitische Fragen in bestimmten Bereichen nicht alleine angegangen werden können (EGKS, Euratom). Lichtblick für eine solche Kooperation auch im Bereich der Erneuerbaren Energien sei die nun seit dem Lissabonvertrag bestehende Zuständigkeit der EU für Energiefragen. Hier gibt es nun die Möglichkeit, dass die EU Richtlinien für diesen Bereich erlässt und somit den Ausbau der Erneuerbaren europaweit regelt und fördert.

Arne Mogren präsentierte Vattenfallzahlen zu dem Thema und zeigte, dass die EU bis 2030 42% ihrer CO2-Emissionen reduzieren müsste, um den Weg zu 80% Reduktion bis 2050 erfolgreich beschreiten zu können. Um dies erreichen zu können, müssten wir den gesamten Heizsektor sowie den Transportsektor komplett elektrifizieren. Desweiteren müssten die Investitionen in den Bereich der Erneuerbare Energien sich bis 2025 verdoppeln.

So schwarz sieht Claude Turmes (stell. Vorsitzender der Grünen im Europaparlament) unsere heutige Perspektive auf dem Weg zu 100% nicht. Wir seien schon lange auf dem Weg, mehr als 60% aller Neuinvestitionen im Stromsektor der EU wurden 2009 in dem Bereich der Erneuerbaren Energien getätigt. Der Umbau vom fossilen zum erneuerbaren Zeitalter sei Mitten im Gang. Beschleunigen könne man diesen jetzt noch über Richtlinien der Eu. Eine 100% Versorgung mit Erneuerbaren ist für ihn keine Unmöglichkeit und er kündigte für die nächsten Monate mehrere Studien wichtiger deutscher Beratungsfirmen an, die diese Sichtweise bestätigen.
Ein wunderbares Beispiel hatte er für die Skeptiker, die Erneuerbaren vor allem ihre Schwankung in der Erzeugung vorwerfen. Wenn Barcelona gegen Bayern im Championsleague Endspiel antritt, dann sitzen 30 Millionen Europäer vor dem Fernseher. Je nach Spielverlauf und Nachspielzeit müssen die Kraftwerke es zu einem unbestimmbaren Zeitpunkt ausgleichen, dass auf einmal viele Menschen den Kühlschrank benutzen (um Bier zu holen) und die Toilette benutzen. Dieses Spannungsschwankungen auszugleichen sei eine weitaus größere Leistung, als “schwankende” Erneuerbare einzuspeisen, die sehr voraussehbar und nicht so massiv auftreten würden.

19. Februar 2010

Rückblick auf einen spannenden Aufenthalt

In den nächsten Tagen stehen vor allem der Rückblick auf den Aufenthalt hier und ein Ausblick auf die kommende Zeit an. Von daher wird mein Reisebericht nun mit diesem Beitrag beendet sein.
Die Reise hat mir viel Spass gemacht und viele spannende Eindrücke vermittelt. Ein wesentlicher Teil, den ich mit nach Hause nehme, ist sicherlich das hier geknüpfte Netzwerk mit den anderen osteuropäischen Teilnehmerinnen.

17. Februar 2010

Das nationale Zentrum für Atmosphärenforschung

Eine kurze Einführung in den heutigen Besuchsort. In diesem Zentrum werden viele der Klimaberechnungen des IPCC durchgeführt.

Und hier eine Beispiel eines IPCC-Models der Erderwärmung. Der Graph unten zeigt die Temperaturentwicklung von 1850 bis 2100. Dabei wird für die Zunkunft von keiner CO2-Reduktion ausgegangen und somit würden wir bei +3,5 Grad Celcius landen.

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15. Februar 2010

Ein Tag an der Uni

Tag 5 in den USA

Den heutigen Tag haben wir an der Universität von Colorado in Boulder verbracht und drei sehr interessante Vorträge gehört.

Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung in die Greening Strategy der Universität von deren Präsident Philip DiStefano, beschäftigte sich der erste Vortrag von Dr. William Boyd mit den Aussichten für zukünftige internationale und US- Klima- und Energiepolitik. Boyd hat zunächst einen kurzen Überblick über die Klimaverhandlungen aus einer US-Perspektive gegeben. Demnach hatte die USA insbesondere 2 Probleme Kyoto beizutreten: 1) Kyoto hat keinen langfristigen Strategieplan zum Umgang mit dem Klimawandel vorgesehen und 2) die Entwicklungsländer hatten unter dem Kyoto-Protokoll keine Verpflichtungen zur Reduzierung von Emissionen. 1997 gab es dann eine Resolution im US Senat, die festgelegt hat, dass die USA keinem internationalen Klimaabkommen beitreten wird, in dem Entwicklungsländer keine Reduktionsverpflichtungen eingehen. Somit war schon in diesem Moment klar, dass die USA das Kyoto-Protokoll niemals ratifizieren werden. Dennoch haben sie weiter mit verhandelt. Mit dem Amtsantritt von George W. Bush 2001 haben sich die USA dann ganz aus dem Kyoto-Prozess zurück gezogen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die USA für ein Post-Kyotoabkommen keine Verlängerung des Protokolls wollen, sondern wenn überhaupt etwas globales, dann ein neues System.

Mit dem sogenannten „Copenhagen Accord“ – dem Abschlusspapier der Klimakonferenz von Kopenhagen – sind wir davon allerdings weit entfernt. Die einzige Aufgabe dieses Papieres ist es, die Reduktionsziele der einzelnen Staaten abzufragen. Die USA haben – wie schon auf der Konferenz – 17% weniger als 2005 angekündigt. Da normalerweise 1990 als Basisjahr in den internationalen Klimaverhandlungen benutzt wird: Dies bedeutet 0% CO-Reduzierung gegenüber dem Ausstoß von 1990.

Dieses neue System welches die USA wollen, wird nach den Entwartungen von Boyd kein multilaterales werden, sondern wahrscheinlich eher ein Abkommen zwischen den größten Emittenten, die dann wiederum bilateral Abkommen mit den Entwicklungsländern schließen.

Der zweite Vortrag des Tages beschäftigte sich mit „Natural Capitalism Solutions“ und wurde von der Firmengründerin Hunter Lovins gehalten. In vielen beeindruckenden Beispielen hat sie uns gezeigt, dass die Entwicklung einer grünen Wirtschaft in den USA nicht aus Washington angestoßen werden wird, sondern von dem Firmen selber gemacht wird. Und das alles aus einem ganz einfachen Grund – weniger (Rohstoff)verbrauch = weniger Ausgaben = mehr Profit. Neben Firmen wie Walmart sind auch viele Regionen in den USA und Kanada auf dem Weg in eine grünere Zukunft. So hat beispielsweise Ontario in Kanada beschlossen alle 15 Kohlekraftwerke nacheinander stillzulegen und mit Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Besonders interessant fand ich die Innovation von Shai Agassi, Gründer von Better Place. Dieser versucht gerade in einem Modellprojekt mit Dänemark und Israel Elektomobilität weiter voranzutreiben. Die Idee ist, dass die Elektroautos sehr günstig an interessierte Menschen verkauft werden.  Zudem werden Aufladestationen gebaut, die so funktionieren, dass man mit dem Auto in diese Station reinfährt und in der gleichen Zeit, in der man sonst Benzin tanken würde, wird hier der Akku gewechselt. So hat man durch das Fahren eines Elektroautos keine zeitlichen Nachteile, allerdings ist man an die Aufladestationen von Better Place gebunden.  Auf jeden Fall ein Projekt, dessen Entwicklung man beobachten sollte…

Nach diesem beiden Vorträgen gab eine eine Besichtigungstour der University of Colorado. Da sich auch diese Universität auf den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Uni gemacht hat, sollten uns hier die ersten Schritte der Universität gezeigt werden. Besonders wird hierbei der Fokus im Moment auf die Abfallerzeugung gelegt und es wird versucht, nur noch recyclefähige Materialien zu benutzen. Das klappt meist nicht so gut, wie der gute Herr, der uns rumgeführt hat, erzählen wollte, aber immerhin tut sich was an der Uni. Ebenso ist die Anzahl der Fahrräder, die vor der Tür parken und die zu einem wahren Schwall an stolzen Hinweisen geführt haben, für Europäer oftmals nicht vielmehr als ein müdes Lächeln wert.

Roger Pielke‘s Vortrag über “Simple math and complex politics: what’s next after Copenhagen“ war dann der letzte des Tages. Und irgendwie waren auch alle schon ein bisschen müde. Pielkes Ansatz ist es zu gucken, welche mathematischen Faktoren den Klimawandel beeinflussen und an welchen Schrauben man konsequenterweise drehen muss und kann. Am meisten gestört hat mich an dem Vortrag, dass zum einen einige zukünftige Entwicklungen meiner Meinung nach nicht mit eingespeist wurden und dass sein Lösungsversuch ausschließlich auf Technik setzt. Ich glaube, dass im langfristigen Blick auch eine Verhaltunsveränderung durch verstärkte Bildung in diesem Bereich durchaus zum Klimaschutz beitragen kann. Zudem müssen wir nicht nur neue Technik bauen und erfinden. Würde man zum Beispiel den ÖPNV in Deutschland massiv ausbauen und Autos in Städten überflüssig machen, dann würde auch das zum Klimaschutz beitragen.

Der Abend ging zu Ende mit einer sogenannten „Euronight“, welche an der Universität als monatlichen Event etabliert werden sollen. Unsere Gruppe war sozusagen der Auftakt dafür. Außer uns waren aber nicht viele Leute da. Diejenigen, die gekommen waren, waren zum größten Teil asiatischer Abstammung. Trotz der wenigen Teilnehmer gab es viele interessante Unterhaltungen.

13. Februar 2010

Im Dialog mit Amerika

Ja, Ja, gestern habe ich noch über die “katastrophalen” Schneemengen in Washington gewitzelt. Heute morgen war ich dann die erste, die sich vor dem Hotel auf glatter Straße hingelegt hat. Trotz dieses kleinen Ausrutschers zu Beginn war der Tag jedoch ein voller Erfolg. Es gab jede Menge interessanter Unterhaltungen und Termine und auch die Gruppe findet allmählich zueinander.

Nach einer allgemeinen Einführung war der erste Termin der Klimagruppe ein Treffen im Department of Energy (Energieministerium) mit Rick Duke, zuständig für Klimapolitik und internationale Beziehungen. Die Abteilung für Klimapolitik ist erst unter der Obama-Regierung entstanden und dem entsprechend wirkte auch der gute Mr. Duke recht neu in seiner Agumentationswelt. Dennoch war das Treffen sehr interessant, vor allem weil sehr deutlich geworden welch große Bedeutung dem Senat zugeschrieben wird. Unschön ist, dass durch diese Erfurcht vor der Entscheidung der Senatoren eine ängstliche Aversion gegen neues und unkonventionelles Denken zu existieren scheint. Neben dem stetigen Verweis auf die tollen Erfolge der einzelnen Bundesstaaten im Kampf gegen den Klimawandel (und der unausgesprochenen Schlußfolgerung, dass dies Handlungsdruck von der Bundesebene nimmt), ist es auch nicht verwunderlich, dass Obama und seine Energieexperten Atomkraft weiterhin als eine wichtige Energiequelle im Kampf gegen den Klimawandel ansehen und auch CCS (Carbon Capture and Storage) als essentieller Teil der Werkzeuge betrachtet wird, um die Wirtschaft zu Klimafreundlicher zu gestalten.

Das zweite Klimatreffen des Tages fand dann beim Natural Resources Defense Council (NRDC, Rat zur verteidigung natürlicher Rohstoffe).  Das NDRC ist hauptsächlich eine amerikanische NGO, hat jedoch einige Büros auch im Ausland (z.B. in Peking). Hauptziel ist die Mitwirkung an der Willensbildung der amerikanischen Zivilgesellschaft und der Abgeordneten in Fragen von Umweltschutz und Klima. Der dortige Klimaexperte Jake Schmidt war nicht der Meinung dass ein bindendes Abkommen bis 2012 erreicht werden kann, dass dies jedoch auch nicht wirklich notwendig sei. Wichtig sei vor allem, dass die USA endlich einen Schritt vorwärts macht und sich zu einem ausreichenden Teil für CO2-Reduktionen verantwortlich zeichnet. Warum dafür kein Vertrag notwendig sei und wie man eine solche Zusage im Zweifel einfordern kann blieb allerdings unklar.
Interessant ist, dass das Pentagon in einer kürzlich vorgestellten Studie Klimawandel als potentielle Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft hat und dem Thema somit seitdem in den USA eine weitaus fundamentalere und weitreichendere Bedeutung zukommt.

Insgesamt hat der Tag heute gezeigt, dass es noch einige Meinungsverschiedenheiten über den Begriff “Green Energy” gibt (gehört CCS dazu?) und dass die USA sich sehr viel mehr in der Führungsrolle sehen als sie von außen wahrgenommen werden. Alleine Obamas Ankündigung, den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache zu machen, stellt ihn jedoch bisher auf kein besseres Level als Merkel. Erst wenn er wirklich effektive Maßnahmen implementiert bzw. weitreichende (und verbindliche!) internationale Zusagen macht, kann er Europa unter Zugzwang bringen. Unterdessen wird allerdings lieber die Zusammenarbeit mit China und Indien ausgebaut, denn dort hat die USA ihren Führungsbonus noch nicht total verspielt…

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