Frauenarmut bekämpfen – Gleichstellung stärken
Zum 99. Internationalen Frauentag am 8. März erklären die Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Marlene Löhr, und die frauenpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Marret Bohn:
Marlene Löhr:
Frauen sind in unserer Gesellschaft überdurchschnittlich von Armut betroffen. Der Frauenanteil im Niedriglohnsektor liegt bei fast 70 Prozent – obwohl die meisten Frauen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar ein Studium haben. Frauen verdienen in Deutschland immer weniger als Männer. 2008 lag der Verdienst von Frauen 23,2 Prozent unter dem von Männern, Tendenz steigend. Damit liegt der Abstand deutlich über dem EU-Durchschnitt von 18,0 Prozent. Ein flächendeckender Mindestlohn von wenigstens 7,50 Euro würde deshalb besonders Frauen zugute kommen.
Wir brauchen endlich eine eigenständige Existenzsicherung für Frauen, um das gesetzlich zementierte Abhängigkeitsverhältnis von Frauen gegenüber Männern zu durchbrechen. Außerdem sollte heute keine Frau mehr vor die Wahl „Kind oder Karriere“ gestellt werden: Wir Grüne machen uns stark für den zügigen Ausbau von Kitas, um die bedarfsgerechte Versorgung mit Ganztagesplätzen und U-3 Plätzen flächendeckend sicherzustellen.
Diese Lösungsansätze haben nicht nur eine direkte Wirkung auf die Gleichstellung von Frauen und Männern, sondern wirken auch indirekt, um die Altersarmut von Frauen zu bekämpfen.
Marret Bohn:
Für uns bedeutet Gleichstellungspolitik moderne Gesellschaftspolitik. Die kommunale Gleichstellungsbeauftragte und die Beratungsstellen „Frau und Beruf“ sind wichtige Anlaufstellen. Hier darf die schwarz-gelbe Koalition nicht an der falschen Stelle sparen.
Girls-Day in der Grünen Landesgeschäftsstelle
Am 23.4.09 war Girls-Day und auch der Grüne Landesverband hatte fünf interessierte Mädchen zu Gast. Nach einer kleinen Kennlerntour durch die Landesgeschäftsstelle habe ich erklärt, wie ein politischer Landesverband arbeitet und wie die Grünen Strukturen aussehen und funktionieren.
Schwerpunktthema war dieses Jahr die bevorstehende Europawahl. Dazu gab es von mir einen kleinen Vortrag zur EU und anschließend haben wir diskutiert und ein Quiz zur Europäischen Union gemacht. Die WUMS-Kampagne fanden die Mädchen ziemlich gut, besonders gut haben das Genmais- und das Atomplakat abgeschnitten! Nach einer kurzen Mittagspause ging dann die Vorbereitung für die Anto-Atom-Demo am Sonntag in Krümmel los. Alle fünf Mädchen haben zusammen mit unserer Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Isabel Sadewasser fleißig Plakate geklebt und selbst gestaltet. Die Plakate gibts am Sonntag auf der Demo zu sehen!
Mentoringprogramm erfolgreich gestartet!
Das Frauenmentoringprogramm des Landesverbandes ist am Samstag (22.11.) erfolgreich gestartet. Die meisten der fünf Teilnehmerinnen hatten nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Parteistruktur und das Mentoringprogramm Gelegenheit sich zusammen mit ihrer Mentorin die ersten Schritte des “in die Partei hinein schnupperns” zu überlegen. Diese Schritte sehen ganz unterschiedlich aus, je nach den Bedürfnissen und Interessen der
Frauen. Ich bin schon sehr gespannt darauf im März beim Zwischenseminar zu hören, wie diese erste Phase so verlaufen ist.
Schön finde ich auch, dass die Frauen ganz unterschiedlichen Alters sind. Dies bringt viele unterschiedliche Frauenperspektiven und Hintergründe in die Gruppe.
Ich werde mich jetzt um die Organisation eines Seminars kümmern und weiterhin beobachten, ob bei Mentoringtandems alles gut klappt. Nach dem dies allerdings am Samstag schon so pima geklappt hat, mache ich mir da keine großen Sorgen.
90 Jahre Frauenwahlrecht
Heute vor 90 Jahren wurde das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt! Das ist ein schönes und ein trauriges Jubiläum zugleich. Schön ist es, weil Frauen nun schon seit 90 Jahren demokratisch mitentscheiden dürfen (und sich meiner Meinung eine Demokratie erst Demokratie nennen darf, wenn beide Geschlechter beteiligt sind). Traurig ist zugleich, dass immer noch so wenig Frauen aktiv in der Politik mitmischen. So liegt der Frauenanteil in den deutschen Landesparlamenten und im Bundesparlament bei durchschnittlich 30 %. Dies liegt allerdings auch zu einem großen Teil daran, dass in gewissen Parteien (z.B. CDU , FDP und LINKE) die Männer die oberen Etagen dominieren und garnicht daran denken für Frauen Platz zu machen. Bei einer weiteren Partei (SPD) ist es erstaunlich, dass sie sich Gleichstellung so sehr auf die Fahnen schreibt und dann ihre Spitzenfrauen immer absägt. Das gibt es bei GRÜN nicht, denn wir haben (glücklicherweise) die Frauenquote. Allerdings haben wir auch das Problem, dass wir einige Frauen nicht wieder loswerden.
GRÜNE Frauenförderung
Der GRÜNE Landesverband Schleswig-Holstein startet für seine Mitglieder ein von mir koordiniertes Mentoringprogramm für Frauen, die mal in die politische Landes- oder Bundesebene reinschnuppern wollen. Das ganze wird von November diesen Jahres bis Juli 2009 laufen und mit verschiedenen Seminaren begleitet werden. Ich freue mich schon sehr auf die TeilnehmerInnen und bin mir sicher, dass es für alle Seiten sehr interessant sein wird. Bei Interesse einfach diesem Link auf die Seiten des Landesverbandes folgen. Dort findet sich nochmal eine genauere Beschreibung des Programmes und ein Bewerbungsbogen. Anmeldeschluss ist der 24. Oktober 2008.
Plädoyer für eine neue Feminismusdebatte (oder: warum wir junge Frauen im Rat brauchen)
In den letzen Wochen und Monaten kam immer wieder die Diskussion auf, ob wir einen neuen Feminismus brauchen. Von vielen Seiten wurde gesagt, dass ein neuer Feminismus nötig sei, da auch die Realitäten heute andere seien als vor 30 Jahren. Das wiederum hat viele Frauen, die mit der zweiten Frauenbewegung in den 70er Jahren groß geworden sind und sich politisch engagiert haben und engagieren vor den Kopf gestoßen. Sie fühlten sich mit ihrem Hintergrund und ihren Sichtweisen nicht mehr ernst genommen.
Die Themen sich andere, die Ziele die gleichen.
Festzuhalten ist sicherlich, dass sich die Alltagsrealitäten der Frauen verändert haben. Auch die Themen, die für Frauenpolitik und Feminismus relevant sind, haben sich gewandelt. Ging es in den 70er Jahren unter anderem noch um so grundsätzliche Dinge wie Abtreibungs- und Arbeitsrechte, so sind heute andere Themen in der Frauenpolitik relevant. Beispielhaft seien hier Sexismus, Pay Gap und ‘gläserne Decken’ genannt. Betrachtet man jedoch die Ziele des Feminismus über die Jahre hinweg, so merkt man, dass diese sich in keinster Weise gewandelt haben. Es ging damals wie heute darum neben der männlichen auch eine weibliche Perspektive auf alle Sachfragen und Probleme zu etablieren und in Entscheidungsprozessen als gesellschaftlich relevant zu verankern. Es geht um die tatsächliche Gleichberechtigung der Frau im privaten und im politischen Sinne. Und es geht um den Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Hat man in den 70er Jahren noch in vielen Bereichen um die rechtliche Gleichstellung der Frauen gekämpft, so geht es heute um die strukturelle Gleichstellung. Denn vielen Arten der Diskriminerung aufgrund des Geschlechts exisitieren heute verstärkt in einer subtilen Art und Weise (auch gegenüber Männern).
Da die Ziele des Feminismus sich meiner Ansicht nach also nicht verändert haben, möchte ich an dieser Stelle für eine neue frauenpolitische Debatte plädieren, nicht aber für einen neuen Feminismus. Was wir brauchen, ist die Auseinandersetzung mit den heute relevanten Themen und Problemen von Frauen. Die Ziele sollten jedoch die gleichen bleiben. An dieser Stelle möchte ich anfügen, dass es sicherlich auch eine Auseinandersetzung mit den Problemen von Männern bedarf. Doch möchte ich hier auch gerne die Männer zu mehr Initiative auffordern.
Es wird immer wieder von jungen Frauen moniert, dass Frauenpolitik und Feminismus so wenig mit ihren Alltagswelten zu tun haben und sie sich deshalb dafür nicht so recht erwärmen können. Ich denke, dass wir hier an ein ganz zentrales Problem stoßen über das wir uns Gedanken machen müssen. Wenn wir (junge) Frauen mit Frauenpolitik nicht mehr erreichen bzw. nicht mehr interessieren, dann läuft etwas ganz grundsätzlich falsch. Damit meine ich nicht, dass wir nun alle fauenpolitischen Themen über Bord werfen sollten, in der Annahme sie seien nicht mehr relevant. Nein, ich meine damit, dass es wichtig und dringend geboten ist, junge Frauen in die Frauen- und Gleichstellungspolitik mit einzubeziehen. Das kann man aber nur schaffen, wenn man sich auch der Themen und Probleme annimmt, auf die diese jungen Frauen treffen.
Dies kann meiner Meinung jedoch nur gelingen, wenn man sich entweder sehr intensiv mit dem Alltagsrealitäten von jungen Frauen auseinandersetzt oder wenn man junge Frauen direkt an der Poltik, die sie betrifft, beteiligt. Dies ist ein Grund, weshalb ich für die Flensburger Ratsversammlung kandidiere. Denn eine junge, weibliche Perspektive auf Flensburger Politik kann eigentlich nur bereichern…


