Ich lebe mit meinem Mann eine binationale Ehe. Er ist Marokkaner, ich bin Deutsche. Seit Anfang diesen Jahres (2012) leben wir gemeinsam in Kiel. Auf dieser Seite möchte ich von unseren (ersten) gemeinsamen Schritten in Deutschland berichten und darüber schreiben, wie es ist nach Deutschland einzuwandern und sich hier zu integrieren.
03.01.2012 Mekka und Kruzifix
Endlich in Deutschland. Monate haben mein Mann und ich darum gekämpft, zusammen leben zu dürfen. Wahre Papierberge haben wir angehäuft, die die offiziellen Stellen sowohl in Marokko als auch in Deutschland sehen wollten. Jetzt sind mein Mann und ich endlich zusammen in Deutschland. Wir sind am späten Abend des 3.1. am Flughafen in Düsseldorf gelandet und in ein nahe gelegenes Hotel gefahren. Schon während der Taxifahrt fragt mich mein Mann, wo denn die ganzen Menschen seien. Ich erzähle ihm, dass die Menschen in Deutschland früh schlafen gehen und sich im Winter nicht so viel draußen aufhalten. Das findet er merkwürdig, aber sagt nichts weiter. Im Hotel angekommen sagt man uns, dass unser Zimmer im 3 Stock liege und es leider keinen Fahrstuhl gäbe. Bei 6 Koffern ist das um 23.30Uhr eine wahre Herausforderung, aber nach 4 Stunden sitzen im Flugzeug eine willkommene Abwechslung.
Beim Betreten des Hotelzimmers hält mein Mann plötzlich inne.
„Schatz, da hängt ein toter Mann an der Wand!“
„Ja, das ist Jesus. Das ist unser Gott“
„Euer Gott ist tot?!“
„…“
Kurze Zeit später haben wir uns im Zimmer eingerichtet und mein Mann möchte seine Gebete, die er während der Reise nicht machen konnte, nachholen. Mit meinem iPhone finden wir die Richtung nach Mekka heraus. Es ist genau die Richtung, an der das Kruzifix an der Wand hängt. Mein Mann bittet mich Jesus woanders schlafen zu lassen. Ich hänge ihn an eine andere Stelle und höre meinem Mann beim rezitieren des Koran zu. Später, beim Einschlafen, hören wir den Kirchenglocken in der Stadt zu. Salam Almania – Hallo Deutschland!
19.1.2012 Teures, kaltes Land
Wir hatten heute einen Termin bei der Ausländerbehörde, um meinen Mann in Deutschland anzumelden und einen Aufenthaltstitel zu beantragen. Da die Ausländerbehörde direkt um die Ecke ist, sind wir mit dem Fahrrad gefahren. Mein armer Mann wäre fast erfroren. Zunächst haben wir ein meeeeeehrseitiges Formular zum Ausfüllen bekommen. Mein Mann meinte scherzhaft beim Ausfüllen, dass er gerade sein erstes Buch schreibe. Aber er sei sich nicht so sicher, ob es wirklich ein Verkausschlager würde. Nach dem Ausfüllen der Unterlagen wurden wir in ein Büro gebeten, und zwei Frauen begaben sich an die langwierige Aufgabe alle Daten aus dem Formular in einen PC einzutragen. Zwischendurch verlangte der PC nach einem Bild und den Fingerabdrückem meines Mannes. Letztendlich wurden wir dann gebeten am Kassenautomaten zu bezahlen. Ich habe erst gedacht, die beiden Frauen hätten heute einen lustigen Tag als sie mir erzählten die Anmeldung koste 110€. Es stellte sich aber leider heraus, dass es sich nicht um einen Scherz handelte. Nun bin ich im Besitz eines Quittungszettels auf dem der Name meines Mannes steht und dann “110€” . Sollte mich nochmal jemand fragen, wie ich meinen Mann kennengelernt habe, werde ich einfach den Bon herausziehen…
04.2.2012 Rückblick: Papiere, um in Marokko zu heiraten
Bevor der Blick weiter nach vorne geht und ich von unseren Integrationserfahrungen erzähle, möchte ich einen kurzen Rückblick auf unseren Hochzeitspapierstapel wagen. Denn wer eine binationale Ehe eingehen will, der muss vorher erstmal beweisen, dass Behördenlabyrinthe und Papiermarathonläufe einen nicht umhauen. Zudem ist ein solches Unterfangen nicht ganz billig
Für eine Hochzeit in Marokko nehme man:
- Ein Ehefähigkeitszeugnis (hat 85€ gekostet), welches man beim Standesamt der Heimatstadt bekommt. Doch das gibt nicht einfach so. Mitbringen mussten wir den Pass von beiden zukünftigen Ehepartnern, eine Meldebescheinigung von beiden (5€), eine Ledigkeitsbescheinigung und eine Geburtsurkunde (meines Mannes). Die Geburtsurkunde mussten wir zuerst von der deutschen Botschaft in Rabat legalisieren lassen (Stempel drauf, 20€). Dann müssen alle Dokumente aus Marokko bei einem vereidigten Übersetzer ins Deutsche übersetzt werden (ca. 200€). Das Ehefähigkeitszeugnis muss später in der deutschen Botschaft in Rabat in eine Ehefähigkeitsbescheinigung umgetauscht werden (20€) und dann wiederrum von marokkanischem Außenministerium in Rabat legalisiert werden (2€).
- Eine Bescheinigung über die deutsche Staatsangehörigkeit, die es bei Vorlage des Passes bei der deutschen Botschaft in Rabat gibt (für 20€).
- Die Geburtsurkunde der ausländischen Verlobten (also von mir). Die bekommt man in der Stadt in der man geboren ist. Ich habe dafür im Standesamt Lüneburg 10€ bezahlt.
- Eine Meldebescheinigung vom deutschen Wohnsitz. Die gibts im Bürgerbüro für 5€.
- Ein deutsches Führungszeugnis und ein marokkanisches Führungszeugnis. Das deutsche Führungszeugnis muss man im Bürgeramt seines Wohnistzes beantragen und es wird einem dann vom Bundesamt für Justiz zugeschickt (13€). Das marokkanische Führungszeugnis bekommt man bei marokkanischen Justizministerium; den Preis habe ich vergessen.
- Einen Gehaltsnachweis/Arbeitsnachweis der ausländischen Verlobten (meine). Ich habe mir dafür von meiner Co-Vorsitzenden eine Bescheinigung unterschreiben lassen, dass ich Landesvorsitzende bei den Grünen bin.
- Eine medizinische Untersuchung. Diese brauchen beide und wir haben sie in Marrakech bei einem Arzt machen lassen. Zusätzlich wurde von mir noch eine weitere Untersuchung verlangt, in der ich nachweisen musste, dass ich nicht schwanger bin. Arztkosten: 20€.
- Last, but not least: Eine Passkopie (die Ausweis-Seite und die Seiten mit den Einreisestempeln nach Marokko) und 4 Fotos (von beiden).
- Mein Mann musste für die Hochzeit noch seine Ledigkeitsbescheinigung und seinen Ausweis (neben der schon erwähnten Fotos und der medizinischen Untersuchung) mitbringen.
- Alle Papiere, die nicht arabisch sind, auf arabisch übersetzen lassen (-> bei uns 120€).
Insgesamt ist aus der Liste heraus zu lesen, dass die Papierbeschaffung mit viel Lauferei verbunden ist. Die Papiere aus Rabat haben wir tatsächlich an einem Tag bekommen, allerdings erfordert das einen extrem guten Schlachtplan, um alle Behörden während der Öffnungszeiten auch tatsächlich zu erreichen. Ist man fertig, müssen diese Papiere es nun noch durch einen Behördenmarathon in Marokko schaffen, bis man schließlich heiraten kann. Wir haben dafür in Marrakech 1,5 Wochen gebraucht. Die Hochzeit selbst beim Adoul (sowas wie ein Standesbeamter) ist total unspektakulär, das Fest allerdings ist riesig und atemberaubend.
Wer’s genau wissen will: Insgesamt haben wir für die Papiere ca. 520€ und für den Adoul 150€ bezahlt.


