Bewerbung als Beisitzerin im Landesvorstand
Liebe Freundinnen und Freunde,
als ich vor zwei Jahren hier zum ersten Mal stand, fragte mich ein älterer Herr nach meiner Bewerbungsrede, ob ich denn auch kochen könne.
Ich hoffe, euch in den letzten zwei Jahren bewiesen zu haben, dass ich auch politisch ‘ne Menge gebacken bekomme.
Neben dem bestrittenen Wahlkampf und dem Beginn der Planung für EU-, Bundes- und Landtagswahl habe ich auf Landesebene ein Mentoringprogramm gestartet, um unseren weiblichen Politiknachwuchs zu fördern. Daran nehmen zur Zeit 5 Frauen teil, sie werden von fünf landespolitisch aktiven Menschen begleitet.
Gestern hatten wir unser zweites gemeinsames Seminar und ich freue mich besonders darüber, dass Marret Bohn morgen als Teilnehmerin des Mentoringprogrammes für den Parteirat kandidieren wird.
Liebe Freundinnen und Freunde,
ich stehe hier als Vertreterin einer neuen Generation der Grünen. Es ist eine Generation, die wie andere vor ihr vieles nicht mehr so machen will, wie es ihr vorgemacht wurde. Eine Generation, die in vielen Bereichen einen neuen Konsens in der Gesellschaft fordert und sich damit an vielen “alten” Positionen reibt.
In meiner Generation ist Gleichstellung besser zu verkaufen als Feminismus. Obwohl beides eigentlich das gleiche meint. Eigentlich. Gleichstellung drückt aber eher das aus, was diese Generation will.
Es geht uns darum, dass nicht nur in der Frauen- sondern auch in der Männerwelt einiges passieren muss, um das gesellschaftliche Miteinander neu zu fassen. Ein neuer Konsens in der Gesellschaft also.
Von daher, finde ich, sollten wir uns nicht über Begrifflichkeiten streiten sondern zusammen an der Sache arbeiten.
So wächst zum Beipiel in der Rollenaufteilung bei der Kinderbetreuung eine Generation heran, die es satt hat, dass Frauen immer noch über gesetzliche Regelungen wie dem Ehegattensplitting und über subtile Meinungsmache wie es in der Werbung geschieht an das Haus gebunden werden. Das mit dem Haus im Grünen ist übrigens auch so ein festgefahrenes Stereotyp.
Und diese Generation wehrt sich auch dagegen, dass Männer, die sich für mehr Zeit mit ihren Kindern entscheiden immer noch massiv gemobbt werden!
Und auch, wenn dass Elterngeld von Frau von der Leyen zunächst sehr gut angekommen ist, regt sich langsam größer Unmut darüber, dass nach den 14 Monaten Elternzeit nur sehr schwierig eine Kinderbetreuung zu finden ist. Und wenn sich eine Familie dann die Einkünfte beider Partner anguckt, dann ist es häufig eben doch die Frau, die zu Hause bleiben muss. Insofern ist Geschlechterpolitik kein Gedöns und kein Nischenthema mehr, sondern Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Da will ich hin, das soll einer meiner Schwerpunkte sein, diese will ich gewinnen.
Wie bei der Kinderbetreuung ist auch die Forderung nach Lohngleichheit für mich eine gleichstellungspolitische Forderung, weil sie in der Umsetzung massive Auswirkungen auch auf die Lebenswelt der Männer haben wird. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit! Nur das ist ist Gerechtigkeit!
Und so sehr diese Forderung zu unterstützen ist, wir müssen auch dafür sorgen, dass Frauen überhaupt die gleiche Arbeit wie Männer machen können.
Die viel beschimpfte und doch bisher nicht beseitigte gläserne Decke in Politik und Privatwirtschaft sorgt immer noch dafür, dass Führungsetagen oftmals ein Männerverein sind in dem weibliche Taktiken wenig Beachtung finden.
Dabei zeigen wissenschaftliche Studien eindeutig, dass gender diversity Unternehmen deutlich erfolgreicher dastehen lässt.
Dass gender diversity auch in der Politik sehr erfolgreich sein kann haben wir Grünen meiner Meinung nach zur genüge bewiesen. Angeblich haben auch Müntefering und Stegner nun erkannt, dass es ohne Frauen in der Politik nicht ginge.
Schauen wir uns aber nur mal die SPD in Schleswig-Holstein ein, weiß man allerdings nicht ob man angesichts der Tatsachen lachen oder weinen soll.
Während uns im Bundestag 7 männliche und 2 weibliche SPD-Abgeordnete vetreten, geht auf dem Parteitag der SPD der Antrag der SPD Frauen auf quotierte Listen sang und klang los unter.
Auch den Antrag der Grünen Fraktion, bei Unternehmen mit Landesbeteiligung eine Frauenquote für den Aufsichtsrat festzulegen, hat die SPD abgelehnt.
Dass sie sich nicht gegen ihren Koalititionspartner durchsetzten kann, sieht man schon daran, dass nur rund ¼ der Referate und 1/3 der Abteilungen in den Ministerien von Frauen geleitet werden.
FDP wählt zeitgleich Landesliste – Platz 1-4 (vielleicht mehr), nur Männer (und auch noch die, die da seit 10 Jahren sitzen). Mit der CDU brauche ich garnicht erst anzufangen, liebe Freundinnen und Freunde.
Um die durchaus zusammenhängenden Probleme um gleichen Lohn und Frauen in Führungsetagen zu lösen, brauchen wir jedoch neben kämpferischen Frauen, auch Männer die dies unterstützen.
Nur wenn wir einen neuen, von beiden Seiten getragenen Konsens darüber erlangen, wie wir miteinander umgehen wollten, können wir diese Spirale durchbrechen.
Auch Männer, die neben der Karriere noch andere Prioritäten setzten, werden sehr schnell an die selbst gemachten Grenzen und Probleme stoßen, mit denen Frauen heutzutage kämpfen. Denn auch Männer, die pünktlich aus einer Aufsichtsratsitzung weg wollen, weil sie die Kinder von der KiTa abholen müssen, werden es oftmals karrieremäßig gar nicht erst soweit schaffen.
Wir Grüne streiten in konkreten Aktionen und im gesellschaftlichen Diskurs für ein solches neues Gesellschaftsbild. Wir kämpfen mit dem Green New Deal für eine neue Art zu Wirtschaften, für eine neue Art mit Energie umzugehen und für eine neue Sozialpolitik. All dies impliziert für mich jedoch auch eine neue Art miteinander umzugehen!
Liebe Freundinnen und Freunde,
wer in Heiligendamm war, weiß auch, dass sich meine Generation gegen einen Sicherheitsterrorismus à la Schäuble massiv wehrt. Wir wollen nicht auf Schritt und Tritt ausgehorcht werden und unsere biometrischen Daten gehen auch keinen was an.
Die wachsende Popularität, derer sich Facebook, StudiVZ und Twitter erfreuen ist für mich auch ein Signal des Trotzes. Sollen sie doch von Millionen von BürgerInnen wissen, was sie zu Mittag gegessen haben, wann sie ihre Blumen gießen und wie das Wetter vor dem Fenster gerade ist. Sollen sie doch, verdammt noch mal, in ihrem Datenmüll ertrinken!
Liebe Freundinnen und Freunde,
sorge macht mir hingegen, dass der rechte Rand immer mehr Anhänger gewinnt. Wenn 5% aller männlichen Jugendlichen angeben Mitglied einer rechten Organisation zu sein, dann ist das eine Katastrophe!
Es mag komisch klingen, aber ich glaube Ursprung all dessen ist auch hier der Wunsch nach einen neuen gesellschaftlichen Miteinander. Nach einer Vision wo es hingehen soll.
Und wenn wir, liebe Freundinnen und Freunde, die Antworten nicht geben, dann tun es die rechten. Denn so grausam diese auch scheinen mag, aber die Rechten habe eine Vision davon wo sie hinwollen.
Ich möchte daher in meiner Landesvorstandsarbeit sehr gerne auch einen Fokus auch auf die Arbeit gegen Rechts legen. Denn wenn wir nicht aufpassen, dann biegt ein großer Teil einer Generation Rechts ab, während wir uns mit Ampeln und Jamaika beschäftigen.
Ich bitte also um eure Stimme für eine neue, kämpferische – und versöhnende – Politik!
GRÜNE Frauenförderung
Der GRÜNE Landesverband Schleswig-Holstein startet für seine Mitglieder ein von mir koordiniertes Mentoringprogramm für Frauen, die mal in die politische Landes- oder Bundesebene reinschnuppern wollen. Das ganze wird von November diesen Jahres bis Juli 2009 laufen und mit verschiedenen Seminaren begleitet werden. Ich freue mich schon sehr auf die TeilnehmerInnen und bin mir sicher, dass es für alle Seiten sehr interessant sein wird. Bei Interesse einfach diesem Link auf die Seiten des Landesverbandes folgen. Dort findet sich nochmal eine genauere Beschreibung des Programmes und ein Bewerbungsbogen. Anmeldeschluss ist der 24. Oktober 2008.


