Artikel getaggt mit ‘Klima’

11. November 2010

Grüne Technologien: Eine Chance für Zusammenarbeit, Innovation und Veränderung

Beitrag von der Young Leaders in Dialogue Konferenz in Prag, ausgerichtet von U.S. State Department.

Podiumsteilnehmer:
Martin Bursik, ehemaliger tschechischer Umweltminister
Fabian Hillairet, Clean Technologies Manager, E-mobilty, CEZ
Ondrek Sramek, Public Affairs Manager, Knauf Insulation

Neben dem ehemaligen tschechischen Umweltminister haben zwei Firmen grüne Technologien präsentiert: Ein Stromversorger, der sich intensiver mit Elektroautos beschäftigt und eine Firma, die Häuser saniert und dämmt.

Besonders die Präsentation von Ondrek Sramek hat einige interessante Gedanken und Infos enthalten, unter anderen hat sie das Problem der Energieintensität von Gebäuden sehr deutlich gemacht hat. 38,7% des EU-Energieverbrauches geht in Häuser, durch ökologische Sanierung können bis zu 90% eingespart werden. Weitere positive “Nebeneffekte” der Gebäudesanierung wären die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Geldersparnis der Haushalte [Geld, das dann anderswo investiert oder gespart werden könnte]und die Erhöhung der Energiesicherheit (wenn ich nicht mehr so viel Energie brauche, dann bin ich auch nicht mehr so abhängig von ausländischen Importen).
Sramek hat deutlich gemacht, dass sich die meisten Staaten in einem wirtschaftlichen Teufelskreis befinden, der gebrochen werden muss, um das Klimaproblem angehen zu können.

Mit einer wachsenden Wirtschaft wird auch mehr Energie verbraucht. Zum jetzigen Zeitpunkt heißt mehr Energieverbrauch, dass das Risiko steigt, diesen Bedarf decken zu können, da viel unserer Energie (Öl, Gas, Kohle, etc.) importiert ist.

Die Frage ist jetzt wie man den Teufelskreis durchbrechen kann. Sramek hat dabei das Beispiel Dänemarks angeführt, welches seit gut 20 Jahren seinen Endenergieverbrauch auf einem konstanten Level hält und trotzdem ein Wirtschaftswachstum auf EU-Durchschnitt generiert.

Endenergieverbauch Dänemarks 1997-2008

Quelle: Eurostat

Zum Schluss ging es dann einer Diskussionsrunde nochmal um verschiedene Themen, folgenden Gedanken zu E-Mobiltät und einen Linktipp habe ich mitgenommen:

Warum wird bei Elektroautos immer Akku und Auto zusammengedacht? Wäre es nicht viel effizienter, den Besitz von Batterie und Auto zu trennen und zum tanken an der Tankstelle einfach den Batterieblock auszutauschen? (Einwand von Fabian Hillairet: Die europäischen und amerikanischen Hersteller würden sich nie auf eine standardisierte Batterie einlassen, die in alle Autos passt).

Linktipp: Das Beratungsunternehmen hat einen Bericht über die Kosten der Verringerung des C02-Ausstoßes verfasst, der lesenswert ist. (Englisch)

16. März 2010

Auf dem Weg zu 100% Erneuerbaren Energien

Bericht von der Internationalen Konferenz zur Europäischen Energiepolitik der Heinrich-Böll-Stiftung.
Podium: Auf dem Weg zu 100% Erneuerbaren Energien? Potentiale und Instrumente für eine europäische Energiewende.

Teilnehmer:
Claudes Turmes
- stellv. Vorsitzender der Grünen im Europaparlament, Energieexperte

Michele Schreyer
- war Mitglied der Europäischen Kommission, jetzt Vizepräsidentin der Europäischen Bewegung e.v.

Arne Mogren
- Vizepräsident für Klimapolitik, Vattenfall AB

Christian Hey
- Sachverständigenrat für Umweltfragen

Das Podium ist der Einstieg in die Konferenz und soll einen Überblick über zu diskutierende Themen geben. Der Fokus
der Runde lag vor allem auf den Potentialen der Eneuerbaren Energien in Europa.

Christian Hey vom Sachverständigenrat für Umweltfragen begann mit der Darstellung mehrerer Szenarien, die für den Umweltrat gerechnet wurden. Alle Szenarien gehen davon aus, dass eine 100% Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050 möglich sein wird. Hey stellte dar, dass eine nationale Selbstversorgung mit Erneuerbaren möglich wäre,
allerdings sehr teuer sein würde. Eine Kooperation mit den Skandinavischen Staaten sorge preistechnisch schon dafür, dass eine Versorgung mir erneuerbaren Energien deutlich günstiger würde. Generell ist aber zu erwarten, dass der Preis für Strom mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien deutlich sinken wird (national 12 cent/KWh – kooperativ 6 cent/KWh). Rückschrittlichster Bereich im der deutschen und europäischen Energiepolitik ist nach Hey das Feld der
Energieeffizienz. Von dem Engagement in diesem Bereich hinge auch der zukünftige Strompreis maßgeblich ab.

Die bereits historisch hohe Bedeutung von Kooperation im Energiebereich auf EU-Ebene stellt Michele Schreyer dar. Mehrmals in der Vergangenheit habe man festgestellt, dass energiepolitische Fragen in bestimmten Bereichen nicht alleine angegangen werden können (EGKS, Euratom). Lichtblick für eine solche Kooperation auch im Bereich der Erneuerbaren Energien sei die nun seit dem Lissabonvertrag bestehende Zuständigkeit der EU für Energiefragen. Hier gibt es nun die Möglichkeit, dass die EU Richtlinien für diesen Bereich erlässt und somit den Ausbau der Erneuerbaren europaweit regelt und fördert.

Arne Mogren präsentierte Vattenfallzahlen zu dem Thema und zeigte, dass die EU bis 2030 42% ihrer CO2-Emissionen reduzieren müsste, um den Weg zu 80% Reduktion bis 2050 erfolgreich beschreiten zu können. Um dies erreichen zu können, müssten wir den gesamten Heizsektor sowie den Transportsektor komplett elektrifizieren. Desweiteren müssten die Investitionen in den Bereich der Erneuerbare Energien sich bis 2025 verdoppeln.

So schwarz sieht Claude Turmes (stell. Vorsitzender der Grünen im Europaparlament) unsere heutige Perspektive auf dem Weg zu 100% nicht. Wir seien schon lange auf dem Weg, mehr als 60% aller Neuinvestitionen im Stromsektor der EU wurden 2009 in dem Bereich der Erneuerbaren Energien getätigt. Der Umbau vom fossilen zum erneuerbaren Zeitalter sei Mitten im Gang. Beschleunigen könne man diesen jetzt noch über Richtlinien der Eu. Eine 100% Versorgung mit Erneuerbaren ist für ihn keine Unmöglichkeit und er kündigte für die nächsten Monate mehrere Studien wichtiger deutscher Beratungsfirmen an, die diese Sichtweise bestätigen.
Ein wunderbares Beispiel hatte er für die Skeptiker, die Erneuerbaren vor allem ihre Schwankung in der Erzeugung vorwerfen. Wenn Barcelona gegen Bayern im Championsleague Endspiel antritt, dann sitzen 30 Millionen Europäer vor dem Fernseher. Je nach Spielverlauf und Nachspielzeit müssen die Kraftwerke es zu einem unbestimmbaren Zeitpunkt ausgleichen, dass auf einmal viele Menschen den Kühlschrank benutzen (um Bier zu holen) und die Toilette benutzen. Dieses Spannungsschwankungen auszugleichen sei eine weitaus größere Leistung, als “schwankende” Erneuerbare einzuspeisen, die sehr voraussehbar und nicht so massiv auftreten würden.

17. Februar 2010

Das nationale Zentrum für Atmosphärenforschung

Eine kurze Einführung in den heutigen Besuchsort. In diesem Zentrum werden viele der Klimaberechnungen des IPCC durchgeführt.

Und hier eine Beispiel eines IPCC-Models der Erderwärmung. Der Graph unten zeigt die Temperaturentwicklung von 1850 bis 2100. Dabei wird für die Zunkunft von keiner CO2-Reduktion ausgegangen und somit würden wir bei +3,5 Grad Celcius landen.

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15. Februar 2010

Ein Tag an der Uni

Tag 5 in den USA

Den heutigen Tag haben wir an der Universität von Colorado in Boulder verbracht und drei sehr interessante Vorträge gehört.

Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung in die Greening Strategy der Universität von deren Präsident Philip DiStefano, beschäftigte sich der erste Vortrag von Dr. William Boyd mit den Aussichten für zukünftige internationale und US- Klima- und Energiepolitik. Boyd hat zunächst einen kurzen Überblick über die Klimaverhandlungen aus einer US-Perspektive gegeben. Demnach hatte die USA insbesondere 2 Probleme Kyoto beizutreten: 1) Kyoto hat keinen langfristigen Strategieplan zum Umgang mit dem Klimawandel vorgesehen und 2) die Entwicklungsländer hatten unter dem Kyoto-Protokoll keine Verpflichtungen zur Reduzierung von Emissionen. 1997 gab es dann eine Resolution im US Senat, die festgelegt hat, dass die USA keinem internationalen Klimaabkommen beitreten wird, in dem Entwicklungsländer keine Reduktionsverpflichtungen eingehen. Somit war schon in diesem Moment klar, dass die USA das Kyoto-Protokoll niemals ratifizieren werden. Dennoch haben sie weiter mit verhandelt. Mit dem Amtsantritt von George W. Bush 2001 haben sich die USA dann ganz aus dem Kyoto-Prozess zurück gezogen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die USA für ein Post-Kyotoabkommen keine Verlängerung des Protokolls wollen, sondern wenn überhaupt etwas globales, dann ein neues System.

Mit dem sogenannten „Copenhagen Accord“ – dem Abschlusspapier der Klimakonferenz von Kopenhagen – sind wir davon allerdings weit entfernt. Die einzige Aufgabe dieses Papieres ist es, die Reduktionsziele der einzelnen Staaten abzufragen. Die USA haben – wie schon auf der Konferenz – 17% weniger als 2005 angekündigt. Da normalerweise 1990 als Basisjahr in den internationalen Klimaverhandlungen benutzt wird: Dies bedeutet 0% CO-Reduzierung gegenüber dem Ausstoß von 1990.

Dieses neue System welches die USA wollen, wird nach den Entwartungen von Boyd kein multilaterales werden, sondern wahrscheinlich eher ein Abkommen zwischen den größten Emittenten, die dann wiederum bilateral Abkommen mit den Entwicklungsländern schließen.

Der zweite Vortrag des Tages beschäftigte sich mit „Natural Capitalism Solutions“ und wurde von der Firmengründerin Hunter Lovins gehalten. In vielen beeindruckenden Beispielen hat sie uns gezeigt, dass die Entwicklung einer grünen Wirtschaft in den USA nicht aus Washington angestoßen werden wird, sondern von dem Firmen selber gemacht wird. Und das alles aus einem ganz einfachen Grund – weniger (Rohstoff)verbrauch = weniger Ausgaben = mehr Profit. Neben Firmen wie Walmart sind auch viele Regionen in den USA und Kanada auf dem Weg in eine grünere Zukunft. So hat beispielsweise Ontario in Kanada beschlossen alle 15 Kohlekraftwerke nacheinander stillzulegen und mit Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Besonders interessant fand ich die Innovation von Shai Agassi, Gründer von Better Place. Dieser versucht gerade in einem Modellprojekt mit Dänemark und Israel Elektomobilität weiter voranzutreiben. Die Idee ist, dass die Elektroautos sehr günstig an interessierte Menschen verkauft werden.  Zudem werden Aufladestationen gebaut, die so funktionieren, dass man mit dem Auto in diese Station reinfährt und in der gleichen Zeit, in der man sonst Benzin tanken würde, wird hier der Akku gewechselt. So hat man durch das Fahren eines Elektroautos keine zeitlichen Nachteile, allerdings ist man an die Aufladestationen von Better Place gebunden.  Auf jeden Fall ein Projekt, dessen Entwicklung man beobachten sollte…

Nach diesem beiden Vorträgen gab eine eine Besichtigungstour der University of Colorado. Da sich auch diese Universität auf den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Uni gemacht hat, sollten uns hier die ersten Schritte der Universität gezeigt werden. Besonders wird hierbei der Fokus im Moment auf die Abfallerzeugung gelegt und es wird versucht, nur noch recyclefähige Materialien zu benutzen. Das klappt meist nicht so gut, wie der gute Herr, der uns rumgeführt hat, erzählen wollte, aber immerhin tut sich was an der Uni. Ebenso ist die Anzahl der Fahrräder, die vor der Tür parken und die zu einem wahren Schwall an stolzen Hinweisen geführt haben, für Europäer oftmals nicht vielmehr als ein müdes Lächeln wert.

Roger Pielke‘s Vortrag über “Simple math and complex politics: what’s next after Copenhagen“ war dann der letzte des Tages. Und irgendwie waren auch alle schon ein bisschen müde. Pielkes Ansatz ist es zu gucken, welche mathematischen Faktoren den Klimawandel beeinflussen und an welchen Schrauben man konsequenterweise drehen muss und kann. Am meisten gestört hat mich an dem Vortrag, dass zum einen einige zukünftige Entwicklungen meiner Meinung nach nicht mit eingespeist wurden und dass sein Lösungsversuch ausschließlich auf Technik setzt. Ich glaube, dass im langfristigen Blick auch eine Verhaltunsveränderung durch verstärkte Bildung in diesem Bereich durchaus zum Klimaschutz beitragen kann. Zudem müssen wir nicht nur neue Technik bauen und erfinden. Würde man zum Beispiel den ÖPNV in Deutschland massiv ausbauen und Autos in Städten überflüssig machen, dann würde auch das zum Klimaschutz beitragen.

Der Abend ging zu Ende mit einer sogenannten „Euronight“, welche an der Universität als monatlichen Event etabliert werden sollen. Unsere Gruppe war sozusagen der Auftakt dafür. Außer uns waren aber nicht viele Leute da. Diejenigen, die gekommen waren, waren zum größten Teil asiatischer Abstammung. Trotz der wenigen Teilnehmer gab es viele interessante Unterhaltungen.

14. Februar 2010

Klimaflüchtlinge

Tag 4 in den USA

Zu sehen gab es heute beim Boulder International Film Festival den Klimafilm “Climate Refugees” (Klimaflüchtlinge) von Micheal Nash.


Über 18 Monate ist Nash  durch die Welt gereist und hat eine wirklich beeindruckende Dokumentation über die bereits exisitierenden Klimaflüchtlinge gedreht, um zu zeigen wie katastrophal die Zustände werden können, wenn wir heute nichts unternehmen.
Mit europäischen Augen gesehen macht der Film zudem sehr schön deutlich, wo die Klimadebatte derzeit in den USA steht. Denn während vieler Orts immer noch darüber diskutiert wird, ob es den Klimawandel tatsächlich gibt, flüchten andere schon vor den Folgen (New Orleans – Hurricane Kathrina). Der Film ist nicht zuletzt ein eindringlicher Aufruf an das Land des Filmautors, endlich aufzuhören zu diskutieren und anzufangen zu handeln – und zwar so viel wie jeder und jede es leisten kann.

13. Februar 2010

Im Dialog mit Amerika

Ja, Ja, gestern habe ich noch über die “katastrophalen” Schneemengen in Washington gewitzelt. Heute morgen war ich dann die erste, die sich vor dem Hotel auf glatter Straße hingelegt hat. Trotz dieses kleinen Ausrutschers zu Beginn war der Tag jedoch ein voller Erfolg. Es gab jede Menge interessanter Unterhaltungen und Termine und auch die Gruppe findet allmählich zueinander.

Nach einer allgemeinen Einführung war der erste Termin der Klimagruppe ein Treffen im Department of Energy (Energieministerium) mit Rick Duke, zuständig für Klimapolitik und internationale Beziehungen. Die Abteilung für Klimapolitik ist erst unter der Obama-Regierung entstanden und dem entsprechend wirkte auch der gute Mr. Duke recht neu in seiner Agumentationswelt. Dennoch war das Treffen sehr interessant, vor allem weil sehr deutlich geworden welch große Bedeutung dem Senat zugeschrieben wird. Unschön ist, dass durch diese Erfurcht vor der Entscheidung der Senatoren eine ängstliche Aversion gegen neues und unkonventionelles Denken zu existieren scheint. Neben dem stetigen Verweis auf die tollen Erfolge der einzelnen Bundesstaaten im Kampf gegen den Klimawandel (und der unausgesprochenen Schlußfolgerung, dass dies Handlungsdruck von der Bundesebene nimmt), ist es auch nicht verwunderlich, dass Obama und seine Energieexperten Atomkraft weiterhin als eine wichtige Energiequelle im Kampf gegen den Klimawandel ansehen und auch CCS (Carbon Capture and Storage) als essentieller Teil der Werkzeuge betrachtet wird, um die Wirtschaft zu Klimafreundlicher zu gestalten.

Das zweite Klimatreffen des Tages fand dann beim Natural Resources Defense Council (NRDC, Rat zur verteidigung natürlicher Rohstoffe).  Das NDRC ist hauptsächlich eine amerikanische NGO, hat jedoch einige Büros auch im Ausland (z.B. in Peking). Hauptziel ist die Mitwirkung an der Willensbildung der amerikanischen Zivilgesellschaft und der Abgeordneten in Fragen von Umweltschutz und Klima. Der dortige Klimaexperte Jake Schmidt war nicht der Meinung dass ein bindendes Abkommen bis 2012 erreicht werden kann, dass dies jedoch auch nicht wirklich notwendig sei. Wichtig sei vor allem, dass die USA endlich einen Schritt vorwärts macht und sich zu einem ausreichenden Teil für CO2-Reduktionen verantwortlich zeichnet. Warum dafür kein Vertrag notwendig sei und wie man eine solche Zusage im Zweifel einfordern kann blieb allerdings unklar.
Interessant ist, dass das Pentagon in einer kürzlich vorgestellten Studie Klimawandel als potentielle Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft hat und dem Thema somit seitdem in den USA eine weitaus fundamentalere und weitreichendere Bedeutung zukommt.

Insgesamt hat der Tag heute gezeigt, dass es noch einige Meinungsverschiedenheiten über den Begriff “Green Energy” gibt (gehört CCS dazu?) und dass die USA sich sehr viel mehr in der Führungsrolle sehen als sie von außen wahrgenommen werden. Alleine Obamas Ankündigung, den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache zu machen, stellt ihn jedoch bisher auf kein besseres Level als Merkel. Erst wenn er wirklich effektive Maßnahmen implementiert bzw. weitreichende (und verbindliche!) internationale Zusagen macht, kann er Europa unter Zugzwang bringen. Unterdessen wird allerdings lieber die Zusammenarbeit mit China und Indien ausgebaut, denn dort hat die USA ihren Führungsbonus noch nicht total verspielt…

15. Dezember 2009

Failure should not be an option

Zwei weitere spannende Verhandlungstage hat es hier in Kopenhagen gegeben. Anstrengend ist dabei vor allem seine eigene Gefühlsachterbahn im Griff zu haben, wenn  gute und schlechte Nachrichten in immer kürzeren Abständen aufeinander folgen. Aber von vorne:

Die zweite Verhandlungswoche ging mit einem großen Rückschlag los. Die Entwicklungsländer (G77) haben sich aus den Verhandlungen zurück gezogen und alle weiteren Montags-Meetings platzen lassen, weil sie mit der von den Industriestaaten vorgeschlagenen Lastenverteilung nicht einverstanden waren und das Gefühl hatten, nicht wirklich gehört zu werden. Konkret geht es unter anderem um die Pro-Kopf Emissionsrechte. Die Industrieländer verlangen, noch im Jahr 2050 mehr Pro-Kopf-Emissionen ausstoßen zu dürfen als die G77-Länder und China. Dies hat zum einen mit Klimagerechtigkeit nicht viel zu tun und es steht auch diametral dem entgegen was u.a. “Klimakanzlerin” Merkel noch vor einiger Zeit gefordert hat. Zumal man sich mit einer gleichen Pro-Kopf-Emission schon in der Mitte treffen würde. Chinas Vorschlag lautet nämlich, dass man alle bereits erfolgten Emissionen aufrechnen sollte, um daraus eine zukünftige Pro-Kopf-Emission abzuleiten. Das würde für die Industrieländer bedeuten, dass sie entweder sofort ihren CO2-Ausstoss nahezu einstellen müssten oder dass sie massiv in KLimschutzprojekte in anderen Ländern investieren müssen (offsetting), um sich sozusagen freizukaufen. Auch wenn die Argumente von China nachvollziehbar scheinen, so ist die Perspektive doch keine realistische. Der Weg, sich in Zukunft auf ein bestimmtes Pro-Kopf-Emissionsrecht zu einigen (bestenfalls <2 Tonnen), welches allen Menschen zusteht, scheint da machbarer. Eine solche Einigung würde bedeuten, dass der durchschnittliche Deutsche von jährlich 10 Tonnen auf 2 Tonnen kommen muss und dass für einige G77 Länder noch “Luft” nach oben ist. Indien hat beispielsweise einen CO2-Ausstoss pro Kopf von 1,2Tonnen/Jahr und dürfte bei einer solchen Einigung noch 0,8 Tonnen pro Jahr und Pro Kopf zulegen.

Ebenso chaotisch im Konferenzzentrum ging es gestern davor zu. Grund:  Es dürfen nicht mehr alle akkredetierten NGO-Vertreter in die Halle, weil die Zulassungszahlen drastisch nach unten gefahren wurden. Da die Klimaverhandlungen jetzt in die entscheidende Runde gehen und neben den MinisterInnen auch die RegierungschefInnen anreisen, wird die Zahl der zugelassenen “Observer” von den NGOs täglich immer weiter reduziert. Um einen der begehrten “Batches” für die einzelnen Tage dieser Woche zu bekommen, heißt es nun also wieder Schlage stehen und z.T. bis zu 5 Stunden bei Minusgraden auszuharren. Ich gönne mir diesen Spass ehrlich gesagt nicht und berichte ab heute nicht mehr direkt von der Konferenz, dafür aber mit dem Ohr am Kopenhagener (Klima)herz. :-)

Auch in der Stadt ging es in den letzten Tagen turbulent zu. Immer wieder gab es kleinere und größere Demonstrationen. Die fast 1000 Festnahmen der Politzei am Samstag bei der Demo haben sich fast allesamt als unbegründet herausgestellt.  War zwar auch nicht anders zu erwarten, aber dafür können sich die armen Menschen, die mehrere Stunden auf der eisigen Straße sitzen musste, leider auch nichts kaufen.  Allerdings muss man bei anderen Aktionen auch ein bisschen an der Intelligenz der Demonstranten zweifeln. So haben sich am Sonntag mehrere Menschen zu einer lange angekündigten Aktion “Hit the Production” versammelt. Ziel war es den Hafen als Hort des Kapitalismus zu blockieren. Schon nach kurzer Zeit waren die Demonstraten allerdings von der Polizei umstellt und wurden allesamt vorläufig festgenommen. In der Nacht zu heute hat es dann nach einem Fest in Christiania heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben. Die “Demonstraten” haben Barikaden errichten und angezündet und nach Medienangaben mit Molotowcocktails auf die Polizei geworfen. Die hat sich gewehrt, in dem sie Tränengas auf Christiania geschossen hat und auch jede Mensge Unbeteiligte so getroffen und vom Gelände vertrieben hat.

Heute hat die Klimkonferent dann wohl ihre kritischte Phase erreicht. Es scheint nicht mehr sicher zu sein, ob diese Konferenz überhaupt zu einem Ergebniss führen wird. Während die Entwicklungsländer weiterhin mehr Zugeständnisse von dem Industriestaaten fordern, stellen sich vor allem die USA und China stur. Um der Klimakonferenz doch noch eine Chance auf Erfolg zu geben, müssen jetzt vor allem die Minister ran. Können die sich nicht auf einen Vorschlag einigen, den sie den Regierungschefs am Donnerstag vorlegen können, dann wird Kopenhagen aller Vorraussicht nach scheitern. Denn die Regierungschef haben für die Verhandlungs einens detaillierten Abkommens am Donnerstag keine Zeit mehr. Ihnen werden nur die Knackpunkte der Verhandlungen zur Lösung vorgelegt. Dass in Kopenahgen kein verbindliches Abkommen rauskommen würde, dass war vielen vorher klar. Dass sich die Länder nun aber auch eventuell auf keine Eckpunkte für ein verbindliches Abkommen einigen können, dass wäre eine herbe Enttäuschung. Und, wenn man es mal so hart formuliert, es wäre der abgesegnete Untergang vieler Insel- und Küstenstaaten.

13. Dezember 2009

100.000x laut, bunt und kreativ

Was für ein phänomenales Zeichen an die Staats- und RegierungschefInnen, die in der nächsten Woche anreisen werden, um über ein Klimaabkommen zu verhandeln! Knapp 100.000 Menschen haben am Samstag in Kopenhagen für ein verbindliches Abkommen und mehr Klimagerechtigkeit protestiert.

Schon am Morgen nahmen an einer ersten “kleinen” Demonstration von Friends of the Earth ungefähr 8.000 Menschen teil. Die DemonstratInnen zogen sich blau an und bildeten so symbolisch eine Flutwelle, die durch die Straßen von Kopenhagen schwappte. Vor sich her trieb die Welle eine Gruppe von Geschäftsleute, die sich laut gegen jegliche Gerechtigkeit und Verbindlichkeit bei einem zukünftigen Abkommen aussprachen. Voll guter Laune trafe die Welle letztendlich am Platz vor dem dänischen Parlament ein, wo bereits andere DemonstrantInnen warteten.

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Um 13 Uhr ging es dann mit der Auftaktkundgebung los. Viele promonente RednerInnen konnten geworben werden. Leider hat denen jedoch kaum jemand zugehört, weil sich alle die Füße abgefroren haben. Nach einer -gefühlt ewigen- Stunde ging es dann los in Richtung Bella Center. Es hat unheimlich viel Freude gemacht, die Kreativität vieler Gruppen und Menschen zu sehen. Aktionstransparent_BlaBlaBla-ActNow

Die Demoroute war insgesamt jedoch mit 6km ein bisschen zu lang, vor allem, weil sich der Demozug zum Schluss sehr auseinander gezogen hat. Am Bella Center angekommen (nach 4h Fußmarsch), ist das öffentliche Transportnetz von Kopenhagen aufgrund des Ansturmes vollkommen zusammen gebrochen und es hat nochmal ungefähr 1,5 Stunden gebraucht, bis ich wieder zu Hause war. Ich habe ein größeres Gedränge an U-Bahnzugängen noch nie erlebt und es hätte mich nicht verwundert, wenn in der aufgeheizten und ungeduldigen Stimmung gestern jemand erdrückt worden wäre.

Während wir munter demonstriert haben, ist der deutsche Umweltminister Röttgen in Kopenhagen eingetroffen. Er hat angekündigt, noch einige Zusagen im Ärmel zu haben, sollten sich die anderen Ländern (gemeint sind die USA und China) auch bewegen. Heute ist offiziell verhandlungsfreier Tag, aber informell geht es natürlich gerade heute darum, Einigungen zu erreichen um morgen in eine erfolgreiche 2 Verhandlungswoche starten zu können.

11. Dezember 2009

“We will not die quietly!”

Der Ton auf der Klimakonferenz wird schärfer. Wieder und wieder betonen gerade die Inselstaaten und Afrika, wie wichtig es ist ein verbindliches Abkommen zu schließen. Statt dem 2°C-Ziel wäre es ihnen sogar noch lieber, wenn man sich auf ein 1,5°C-Ziel einigen würde. Auch wenn eine solche Einigung in weiter Ferne liegt, wird weiterhin versucht konstruktiv an einem Klimaabkommen mitzuwirken. In einer emotional sehr aufgeheizten Debatte kommt es dann aber durchaus auch zu turbulenten Szenen. Gestern am Abend verließ der Chefverhandler der G77-Staaten erbost den Raum. Was die anderen Staaten, insbesondere die Industriestaaten anbieten, sei bei weitem nicht genug.  Gerade die Inselstaaten wie Tuvalu versuchen immer wieder das Thema sehr zu emotionalisieren. Der Slogan “We will not die quietly” ist inzwischen nicht nur auf Transparenten zu lesen, sondern wird auch in den Plenarsitzungen nach den Policy-Statements immer mal wieder eingesetzt. Im Grunde haben die Inselstaaten absolut recht, es geht für sie um das nackte Überleben. Auf der anderen Seite ist die Frage, ob die Emotionalisierung der Debatte wirklich weiterhilft. Auf jeden Fall baut es Seitens der Verhandlungsbeobachter und der Öffentlichkeit einen großen Druck auf. Solange dieser zu den richten Ergebnissen führt, wurde strategisch alles richtig gemacht. Es kann aber auch zu einer Sackgassensituation führen. Man darf gespannt sein.

Die EU hat in den letzen beiden Tagen ihre Verhandlungsposition für die letzte Konferenzwoche festgelegt.  Für das sogenannte fast-track financing (also sofortige Finanzhilfen an die Entwicklungsländer) stellt die EU insgesamt 7,2 Milliarden Euro bis 2012  zur Verfügung.  Dabei erscheint der deutsche Anteil von jährlich 420 Millionen und insgesamt 1,26 Milliarden zunächst vergleichsweise gering. Allerdings hat Deutschland auch zugesagt, dass es – sollte von den versprochenen Geldern am Ende eine bestimmte Summe nicht zustandekommen – die Lücke füllen wird. Der deutsche Anteil dürfte letztendlich also noch ein wenig höher liegen als bisher angesagt.  Ingesamt kann man diese Lösung durchaus positiv bewerten, damit erfüllt Europa -was die Finanzierung angeht – durchaus die Erwartungen, die an es gerichtet wurden. Bei den konkreten Emissionsreduktionszielen hat es die EU allerdings verpasst eine Vorreiterrolle einzunehmen. Zunächst soll es bei den 20% bis 2020 bleiben. Für die gesetzen Ziele von 2°C-Höchsterwärmung und 80% Reduktion der Emissionen der Industrieländer bis 2050 ist das aber zu wenig. Nur wenn die USA und China ebenfalls größere Reduktionsschritte in der kommenden Woche anbieten, ist die EU bereit eine Reduktionsverpflichtung von 30% einzugehen. Aufgrund der pressewirksam inzinierten Entscheidung der EPA (siehe unten) kann von den USA durchaus noch ein bisschen mehr erwartet werden.  China stellt sich jedoch im Moment in dieser Hinsicht sehr stur (siehe Interview im vorangegangenem Artikel).

Wenn man in diesen Tagen in der Stadt unterwegs ist, hat man das Gefühl die ganze Welt zu treffen. Vor allem in der U-Bahn zum und vom Konferenzcentrum ist es immer wieder spannend. Während sich heute morgen neben mir zwei afrikanische Frauen mit sehr schönen bunten Gewändern unterhielten, versuchte ein Delegierter aus China sich stehend im Stadtplanlesen. Er wurde vom anfahren und abbremsen der U-Bahn aber immer wieder unterbrochen. Eine Amerikanerin schrie Befehle in ihr Handy, die eventuell ihrem Ehemann gegolten haben können und südamerikanischer (?) Delegierter betrachtete sichtlich verzückt sein Spiegelbild im Fenster. Dazwischen sitzen die Kopenhagener selbst und versuchen so normal wie möglich zu wirken. Irgendwie ist das alles aber doch unglaublich spannend und der eine oder die andere versucht unauffällig zur Seite zu schielen und ein paar ungewöhnliche Blicke zu erhaschen.

Die Polizei wird deutlich präsenter in den letzten Tagen. Überall stehen Teams in den Straßen und beobachten die Lage. Die Gesetze, die Dänemark maßgeschneidert auf dieses Ereignis verabschiedet hat, sind eine Frechheit und ein Affront gegen die freie Meinungsäußerung und die Menschenrechte. Kein Grund der Welt darf in einer Demokratie dafür herhalten, zetiweise einen willkürlichen Polizeistaat einzurichten. JedeR kann OHNE Grund festgenommen werden und bis zu 12 Stunden in Gewahrsam gehalten werden. Die Polizei braucht dafür weder vorher noch hinterher einen Grund. Außerdem sind die “Käfig”-Gefängnisse, wie sie schon in Heiligendamm im Einsatz waren, auch hier in großer Anzahl aufgestellt worden. Die erste Nagelprobe der Gesetze und ihrer Anwendung wird es morgen bei der großen Klimademo geben. Ich hoffe sehr, dass es friedlich bleibt und die Kopenhagener eine große, bunte Demo erleben werden.

10. Dezember 2009

Kyoto vs. a New Deal

Der Hauptstreitpunkt der Klimaverhandlungen ist heute sehr deutlich zu Tage getreten und hängt sich an der Frage auf, ob man an dem Regelwerk des Kyoto-Protokolls festhält und dieses durch neue Zusätze für eine zweite Geltungsperiode fit macht oder ob es ein ganz neues Abkommen geben soll. Tuvalu hatte bereits gestern sehr dafür gestritten, dass es bei dem Kyotoprotokoll bleibt und diesem ein neuer Anhang hinzugefügt wird, der die Ziele und Mechanismen für die Zeit bis 2020 regelt. Ein solcher Anhang ist von Tuvalu bereits ausgearbeitet und dem Plenum als Vorschlag unterbreitet worden. Viele Entwicklungsländer unterstützen diesen Weg und Tuvalu argumentiert, dass auf diese Weise sehr schnell ein verbindliches und weitreichendes Klimaschutzabkommen zu Stande kommen könnte. Auf Seiten der Industrieländer gibt es jedoch eher die Vorstellung ein völlig neues Abkommen zu schließen.  Gerade die USA müssten die Möglichkeit bekommen, einem Klimaschutzabkommen beizutreten.  Aus historischen Gründen sei ein Beitritt zum Kyoto-Abkommen nicht möglich. Mit dem heutigen Abend haben sich die Entwicklungsländer direkt an Obama gewandt und ihn gebeten, doch dem Kyotoprotokoll beizutreten. Ein völlig neues Abkommen wäre in Kopenhagen auf keinen Fall fertig zu stellen und auch die Einigung auf Eckwerte scheint sehr schwer erreichbar.   Somit steht Kopenhagen an einem Scheideweg und es wird zentral für den weiteren Verlauf sein, wie sich das Klima zwischen Entwicklungs- und Industrieländern weiter entwickelt.

Ein kleiner Lichtblick war heute Schweden, die in der leidigen Frage der Klimaschutzfinanzierung einen Schritt nach vorne gemacht haben. Bisher haben sich alle Ländern mit konkreten Zusagen sehr bedeckt gehalten und immer nur gesagt, was sie auf keinen Fall finanzieren können.  Schweden hat heute konkret angeboten, jährlich 800 Millionen Euro zu einem Finanzierungstopf beizusteuern und ist damit das erste Land, dass konkrete Zahlen auf den Tisch legt.  Für morgen wird die  Bekanntmachung des EU-Gesamtbetrages erwartet, wobei schon vorrausgeschickt wurde, dass sich auf Grund finanzieller Schwierigkeiten nicht alle EU-Länder werden beteiligen können.

Unterdessen geht die 350ppm-Kampagne in eine neue Runde und schmückt nun auch alle Metrozüge Kopenhagens. Finanziert wird das ganze von der Meeres-NGO Oceania. Zudem werden an alle Delegierten kleine, sehr elegante Anstecknadeln mit der Zahl 350 ausgegeben, so dass die Zahl nun wirklich überall auf dem Konferenzgelände zu sehen ist. Inzwischen fordern auch schon verschiedene Ländern 350ppm als Klimaziel in der Verhandlung.

Neben einer Anstecknadel wurden heute viele Delegierte auch mit einem orangen Schal geschmückt, auf welchen “Survival is not negotiable” zu lesen war. Zweitweilig war es sehr Orange im Konferenzzentrum, vor allem VertreterInnen der G77-Staaten trugen die Schals.

Morgen wird es keinen Bericht aus dem Konferenzzentrum geben. Dafür aber unter anderem von der Bundesvorstandssitzung der Grünen gemeinsam mit der dänischen Partei SF und vom Konferenz-Klima in der Stadt.

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