Artikel getaggt mit ‘Kopenhagen’

15. Februar 2010

Ein Tag an der Uni

Tag 5 in den USA

Den heutigen Tag haben wir an der Universität von Colorado in Boulder verbracht und drei sehr interessante Vorträge gehört.

Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung in die Greening Strategy der Universität von deren Präsident Philip DiStefano, beschäftigte sich der erste Vortrag von Dr. William Boyd mit den Aussichten für zukünftige internationale und US- Klima- und Energiepolitik. Boyd hat zunächst einen kurzen Überblick über die Klimaverhandlungen aus einer US-Perspektive gegeben. Demnach hatte die USA insbesondere 2 Probleme Kyoto beizutreten: 1) Kyoto hat keinen langfristigen Strategieplan zum Umgang mit dem Klimawandel vorgesehen und 2) die Entwicklungsländer hatten unter dem Kyoto-Protokoll keine Verpflichtungen zur Reduzierung von Emissionen. 1997 gab es dann eine Resolution im US Senat, die festgelegt hat, dass die USA keinem internationalen Klimaabkommen beitreten wird, in dem Entwicklungsländer keine Reduktionsverpflichtungen eingehen. Somit war schon in diesem Moment klar, dass die USA das Kyoto-Protokoll niemals ratifizieren werden. Dennoch haben sie weiter mit verhandelt. Mit dem Amtsantritt von George W. Bush 2001 haben sich die USA dann ganz aus dem Kyoto-Prozess zurück gezogen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die USA für ein Post-Kyotoabkommen keine Verlängerung des Protokolls wollen, sondern wenn überhaupt etwas globales, dann ein neues System.

Mit dem sogenannten „Copenhagen Accord“ – dem Abschlusspapier der Klimakonferenz von Kopenhagen – sind wir davon allerdings weit entfernt. Die einzige Aufgabe dieses Papieres ist es, die Reduktionsziele der einzelnen Staaten abzufragen. Die USA haben – wie schon auf der Konferenz – 17% weniger als 2005 angekündigt. Da normalerweise 1990 als Basisjahr in den internationalen Klimaverhandlungen benutzt wird: Dies bedeutet 0% CO-Reduzierung gegenüber dem Ausstoß von 1990.

Dieses neue System welches die USA wollen, wird nach den Entwartungen von Boyd kein multilaterales werden, sondern wahrscheinlich eher ein Abkommen zwischen den größten Emittenten, die dann wiederum bilateral Abkommen mit den Entwicklungsländern schließen.

Der zweite Vortrag des Tages beschäftigte sich mit „Natural Capitalism Solutions“ und wurde von der Firmengründerin Hunter Lovins gehalten. In vielen beeindruckenden Beispielen hat sie uns gezeigt, dass die Entwicklung einer grünen Wirtschaft in den USA nicht aus Washington angestoßen werden wird, sondern von dem Firmen selber gemacht wird. Und das alles aus einem ganz einfachen Grund – weniger (Rohstoff)verbrauch = weniger Ausgaben = mehr Profit. Neben Firmen wie Walmart sind auch viele Regionen in den USA und Kanada auf dem Weg in eine grünere Zukunft. So hat beispielsweise Ontario in Kanada beschlossen alle 15 Kohlekraftwerke nacheinander stillzulegen und mit Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Besonders interessant fand ich die Innovation von Shai Agassi, Gründer von Better Place. Dieser versucht gerade in einem Modellprojekt mit Dänemark und Israel Elektomobilität weiter voranzutreiben. Die Idee ist, dass die Elektroautos sehr günstig an interessierte Menschen verkauft werden.  Zudem werden Aufladestationen gebaut, die so funktionieren, dass man mit dem Auto in diese Station reinfährt und in der gleichen Zeit, in der man sonst Benzin tanken würde, wird hier der Akku gewechselt. So hat man durch das Fahren eines Elektroautos keine zeitlichen Nachteile, allerdings ist man an die Aufladestationen von Better Place gebunden.  Auf jeden Fall ein Projekt, dessen Entwicklung man beobachten sollte…

Nach diesem beiden Vorträgen gab eine eine Besichtigungstour der University of Colorado. Da sich auch diese Universität auf den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Uni gemacht hat, sollten uns hier die ersten Schritte der Universität gezeigt werden. Besonders wird hierbei der Fokus im Moment auf die Abfallerzeugung gelegt und es wird versucht, nur noch recyclefähige Materialien zu benutzen. Das klappt meist nicht so gut, wie der gute Herr, der uns rumgeführt hat, erzählen wollte, aber immerhin tut sich was an der Uni. Ebenso ist die Anzahl der Fahrräder, die vor der Tür parken und die zu einem wahren Schwall an stolzen Hinweisen geführt haben, für Europäer oftmals nicht vielmehr als ein müdes Lächeln wert.

Roger Pielke‘s Vortrag über “Simple math and complex politics: what’s next after Copenhagen“ war dann der letzte des Tages. Und irgendwie waren auch alle schon ein bisschen müde. Pielkes Ansatz ist es zu gucken, welche mathematischen Faktoren den Klimawandel beeinflussen und an welchen Schrauben man konsequenterweise drehen muss und kann. Am meisten gestört hat mich an dem Vortrag, dass zum einen einige zukünftige Entwicklungen meiner Meinung nach nicht mit eingespeist wurden und dass sein Lösungsversuch ausschließlich auf Technik setzt. Ich glaube, dass im langfristigen Blick auch eine Verhaltunsveränderung durch verstärkte Bildung in diesem Bereich durchaus zum Klimaschutz beitragen kann. Zudem müssen wir nicht nur neue Technik bauen und erfinden. Würde man zum Beispiel den ÖPNV in Deutschland massiv ausbauen und Autos in Städten überflüssig machen, dann würde auch das zum Klimaschutz beitragen.

Der Abend ging zu Ende mit einer sogenannten „Euronight“, welche an der Universität als monatlichen Event etabliert werden sollen. Unsere Gruppe war sozusagen der Auftakt dafür. Außer uns waren aber nicht viele Leute da. Diejenigen, die gekommen waren, waren zum größten Teil asiatischer Abstammung. Trotz der wenigen Teilnehmer gab es viele interessante Unterhaltungen.

13. Dezember 2009

100.000x laut, bunt und kreativ

Was für ein phänomenales Zeichen an die Staats- und RegierungschefInnen, die in der nächsten Woche anreisen werden, um über ein Klimaabkommen zu verhandeln! Knapp 100.000 Menschen haben am Samstag in Kopenhagen für ein verbindliches Abkommen und mehr Klimagerechtigkeit protestiert.

Schon am Morgen nahmen an einer ersten “kleinen” Demonstration von Friends of the Earth ungefähr 8.000 Menschen teil. Die DemonstratInnen zogen sich blau an und bildeten so symbolisch eine Flutwelle, die durch die Straßen von Kopenhagen schwappte. Vor sich her trieb die Welle eine Gruppe von Geschäftsleute, die sich laut gegen jegliche Gerechtigkeit und Verbindlichkeit bei einem zukünftigen Abkommen aussprachen. Voll guter Laune trafe die Welle letztendlich am Platz vor dem dänischen Parlament ein, wo bereits andere DemonstrantInnen warteten.

KlimaFlutWellendemo

Um 13 Uhr ging es dann mit der Auftaktkundgebung los. Viele promonente RednerInnen konnten geworben werden. Leider hat denen jedoch kaum jemand zugehört, weil sich alle die Füße abgefroren haben. Nach einer -gefühlt ewigen- Stunde ging es dann los in Richtung Bella Center. Es hat unheimlich viel Freude gemacht, die Kreativität vieler Gruppen und Menschen zu sehen. Aktionstransparent_BlaBlaBla-ActNow

Die Demoroute war insgesamt jedoch mit 6km ein bisschen zu lang, vor allem, weil sich der Demozug zum Schluss sehr auseinander gezogen hat. Am Bella Center angekommen (nach 4h Fußmarsch), ist das öffentliche Transportnetz von Kopenhagen aufgrund des Ansturmes vollkommen zusammen gebrochen und es hat nochmal ungefähr 1,5 Stunden gebraucht, bis ich wieder zu Hause war. Ich habe ein größeres Gedränge an U-Bahnzugängen noch nie erlebt und es hätte mich nicht verwundert, wenn in der aufgeheizten und ungeduldigen Stimmung gestern jemand erdrückt worden wäre.

Während wir munter demonstriert haben, ist der deutsche Umweltminister Röttgen in Kopenhagen eingetroffen. Er hat angekündigt, noch einige Zusagen im Ärmel zu haben, sollten sich die anderen Ländern (gemeint sind die USA und China) auch bewegen. Heute ist offiziell verhandlungsfreier Tag, aber informell geht es natürlich gerade heute darum, Einigungen zu erreichen um morgen in eine erfolgreiche 2 Verhandlungswoche starten zu können.

11. Dezember 2009

“We will not die quietly!”

Der Ton auf der Klimakonferenz wird schärfer. Wieder und wieder betonen gerade die Inselstaaten und Afrika, wie wichtig es ist ein verbindliches Abkommen zu schließen. Statt dem 2°C-Ziel wäre es ihnen sogar noch lieber, wenn man sich auf ein 1,5°C-Ziel einigen würde. Auch wenn eine solche Einigung in weiter Ferne liegt, wird weiterhin versucht konstruktiv an einem Klimaabkommen mitzuwirken. In einer emotional sehr aufgeheizten Debatte kommt es dann aber durchaus auch zu turbulenten Szenen. Gestern am Abend verließ der Chefverhandler der G77-Staaten erbost den Raum. Was die anderen Staaten, insbesondere die Industriestaaten anbieten, sei bei weitem nicht genug.  Gerade die Inselstaaten wie Tuvalu versuchen immer wieder das Thema sehr zu emotionalisieren. Der Slogan “We will not die quietly” ist inzwischen nicht nur auf Transparenten zu lesen, sondern wird auch in den Plenarsitzungen nach den Policy-Statements immer mal wieder eingesetzt. Im Grunde haben die Inselstaaten absolut recht, es geht für sie um das nackte Überleben. Auf der anderen Seite ist die Frage, ob die Emotionalisierung der Debatte wirklich weiterhilft. Auf jeden Fall baut es Seitens der Verhandlungsbeobachter und der Öffentlichkeit einen großen Druck auf. Solange dieser zu den richten Ergebnissen führt, wurde strategisch alles richtig gemacht. Es kann aber auch zu einer Sackgassensituation führen. Man darf gespannt sein.

Die EU hat in den letzen beiden Tagen ihre Verhandlungsposition für die letzte Konferenzwoche festgelegt.  Für das sogenannte fast-track financing (also sofortige Finanzhilfen an die Entwicklungsländer) stellt die EU insgesamt 7,2 Milliarden Euro bis 2012  zur Verfügung.  Dabei erscheint der deutsche Anteil von jährlich 420 Millionen und insgesamt 1,26 Milliarden zunächst vergleichsweise gering. Allerdings hat Deutschland auch zugesagt, dass es – sollte von den versprochenen Geldern am Ende eine bestimmte Summe nicht zustandekommen – die Lücke füllen wird. Der deutsche Anteil dürfte letztendlich also noch ein wenig höher liegen als bisher angesagt.  Ingesamt kann man diese Lösung durchaus positiv bewerten, damit erfüllt Europa -was die Finanzierung angeht – durchaus die Erwartungen, die an es gerichtet wurden. Bei den konkreten Emissionsreduktionszielen hat es die EU allerdings verpasst eine Vorreiterrolle einzunehmen. Zunächst soll es bei den 20% bis 2020 bleiben. Für die gesetzen Ziele von 2°C-Höchsterwärmung und 80% Reduktion der Emissionen der Industrieländer bis 2050 ist das aber zu wenig. Nur wenn die USA und China ebenfalls größere Reduktionsschritte in der kommenden Woche anbieten, ist die EU bereit eine Reduktionsverpflichtung von 30% einzugehen. Aufgrund der pressewirksam inzinierten Entscheidung der EPA (siehe unten) kann von den USA durchaus noch ein bisschen mehr erwartet werden.  China stellt sich jedoch im Moment in dieser Hinsicht sehr stur (siehe Interview im vorangegangenem Artikel).

Wenn man in diesen Tagen in der Stadt unterwegs ist, hat man das Gefühl die ganze Welt zu treffen. Vor allem in der U-Bahn zum und vom Konferenzcentrum ist es immer wieder spannend. Während sich heute morgen neben mir zwei afrikanische Frauen mit sehr schönen bunten Gewändern unterhielten, versuchte ein Delegierter aus China sich stehend im Stadtplanlesen. Er wurde vom anfahren und abbremsen der U-Bahn aber immer wieder unterbrochen. Eine Amerikanerin schrie Befehle in ihr Handy, die eventuell ihrem Ehemann gegolten haben können und südamerikanischer (?) Delegierter betrachtete sichtlich verzückt sein Spiegelbild im Fenster. Dazwischen sitzen die Kopenhagener selbst und versuchen so normal wie möglich zu wirken. Irgendwie ist das alles aber doch unglaublich spannend und der eine oder die andere versucht unauffällig zur Seite zu schielen und ein paar ungewöhnliche Blicke zu erhaschen.

Die Polizei wird deutlich präsenter in den letzten Tagen. Überall stehen Teams in den Straßen und beobachten die Lage. Die Gesetze, die Dänemark maßgeschneidert auf dieses Ereignis verabschiedet hat, sind eine Frechheit und ein Affront gegen die freie Meinungsäußerung und die Menschenrechte. Kein Grund der Welt darf in einer Demokratie dafür herhalten, zetiweise einen willkürlichen Polizeistaat einzurichten. JedeR kann OHNE Grund festgenommen werden und bis zu 12 Stunden in Gewahrsam gehalten werden. Die Polizei braucht dafür weder vorher noch hinterher einen Grund. Außerdem sind die “Käfig”-Gefängnisse, wie sie schon in Heiligendamm im Einsatz waren, auch hier in großer Anzahl aufgestellt worden. Die erste Nagelprobe der Gesetze und ihrer Anwendung wird es morgen bei der großen Klimademo geben. Ich hoffe sehr, dass es friedlich bleibt und die Kopenhagener eine große, bunte Demo erleben werden.

10. Dezember 2009

Kyoto vs. a New Deal

Der Hauptstreitpunkt der Klimaverhandlungen ist heute sehr deutlich zu Tage getreten und hängt sich an der Frage auf, ob man an dem Regelwerk des Kyoto-Protokolls festhält und dieses durch neue Zusätze für eine zweite Geltungsperiode fit macht oder ob es ein ganz neues Abkommen geben soll. Tuvalu hatte bereits gestern sehr dafür gestritten, dass es bei dem Kyotoprotokoll bleibt und diesem ein neuer Anhang hinzugefügt wird, der die Ziele und Mechanismen für die Zeit bis 2020 regelt. Ein solcher Anhang ist von Tuvalu bereits ausgearbeitet und dem Plenum als Vorschlag unterbreitet worden. Viele Entwicklungsländer unterstützen diesen Weg und Tuvalu argumentiert, dass auf diese Weise sehr schnell ein verbindliches und weitreichendes Klimaschutzabkommen zu Stande kommen könnte. Auf Seiten der Industrieländer gibt es jedoch eher die Vorstellung ein völlig neues Abkommen zu schließen.  Gerade die USA müssten die Möglichkeit bekommen, einem Klimaschutzabkommen beizutreten.  Aus historischen Gründen sei ein Beitritt zum Kyoto-Abkommen nicht möglich. Mit dem heutigen Abend haben sich die Entwicklungsländer direkt an Obama gewandt und ihn gebeten, doch dem Kyotoprotokoll beizutreten. Ein völlig neues Abkommen wäre in Kopenhagen auf keinen Fall fertig zu stellen und auch die Einigung auf Eckwerte scheint sehr schwer erreichbar.   Somit steht Kopenhagen an einem Scheideweg und es wird zentral für den weiteren Verlauf sein, wie sich das Klima zwischen Entwicklungs- und Industrieländern weiter entwickelt.

Ein kleiner Lichtblick war heute Schweden, die in der leidigen Frage der Klimaschutzfinanzierung einen Schritt nach vorne gemacht haben. Bisher haben sich alle Ländern mit konkreten Zusagen sehr bedeckt gehalten und immer nur gesagt, was sie auf keinen Fall finanzieren können.  Schweden hat heute konkret angeboten, jährlich 800 Millionen Euro zu einem Finanzierungstopf beizusteuern und ist damit das erste Land, dass konkrete Zahlen auf den Tisch legt.  Für morgen wird die  Bekanntmachung des EU-Gesamtbetrages erwartet, wobei schon vorrausgeschickt wurde, dass sich auf Grund finanzieller Schwierigkeiten nicht alle EU-Länder werden beteiligen können.

Unterdessen geht die 350ppm-Kampagne in eine neue Runde und schmückt nun auch alle Metrozüge Kopenhagens. Finanziert wird das ganze von der Meeres-NGO Oceania. Zudem werden an alle Delegierten kleine, sehr elegante Anstecknadeln mit der Zahl 350 ausgegeben, so dass die Zahl nun wirklich überall auf dem Konferenzgelände zu sehen ist. Inzwischen fordern auch schon verschiedene Ländern 350ppm als Klimaziel in der Verhandlung.

Neben einer Anstecknadel wurden heute viele Delegierte auch mit einem orangen Schal geschmückt, auf welchen “Survival is not negotiable” zu lesen war. Zweitweilig war es sehr Orange im Konferenzzentrum, vor allem VertreterInnen der G77-Staaten trugen die Schals.

Morgen wird es keinen Bericht aus dem Konferenzzentrum geben. Dafür aber unter anderem von der Bundesvorstandssitzung der Grünen gemeinsam mit der dänischen Partei SF und vom Konferenz-Klima in der Stadt.

10. Dezember 2009

Zuversicht in Kopenhagen

Heute am frühen Morgen ist die Zuversicht in Kopenhagen eingelaufen. Das Schiff bildet zusammen mit der Hansine die Flensburger Klima Flotte. Fast 40 Studenten sind am Montag in Flensburg losgesegelt und haben drei Tage bei unterschiedlichen Windverhältnissen auf See verbracht. Nun sind sie CO2-neutral in Kopenhagen angekommen und werden unter anderem die Demonstration im Samstag mit unterstützen. Liebe SeglerInnen, seid herzlich Willkommen in Kopenhagen!!! Der Protest kann eure Unterstützung sicherlich gut gebrauchen.

9. Dezember 2009

Tuvalu

Der Klimatag begann bei mir heute erst Mittags mit dem Aufbruch in Richtung Konferenzcentrum. Dort war viel Schlage stehen vor den Sicherheitskontrollen angesagt, bis es dann endlich rein ging.
Schon im Eingangsbereich lag Aufregung in der Luft und die Gerüchteküchen war am brodeln. Es ging bei allen Erzählungen um Tuvalu, die eine Verhandlungsunterbrechung herbeigeführt haben. Wie sie das geschafft haben, war nicht abschließend zu klären. Die Erzählungen reichten von “Tuvalu hat gedroht die Verhandlungen zu verlassen” bis hin zu “Tuvalu hat nur einen Vorschlag gemacht, der im Plenum nicht gut zu klären war”.  Es gab immerhin 2 Stunden Verhandlungspause.
Nach der Unterbrechung kam es dann zu einer Demonstration von WWF, 350.org und fyeg vor dem Konferenzsaal mit einer Fahne von Tuvalu, diese hatten davon allerdings keine Ahnung. Daraufhin wurden erstmal alle NGOs von den Verhandlungen ausgeschlossen, so dass auch ich nicht mehr reinkam.

8. Dezember 2009

Wer sich zuerst bewegt hat verloren…

Der 2. Tag der Klimakonferenz hat mit guten Nachrichten begonnen. Die amerikanische Umweltagentur (EPA) hat CO2 und andere Treibhausgase als für den Menschen schädliche Stoffe eingestuft. Dies ermöglicht dem amerikanischen Präsidenten nun Entscheidungen zur Reduktion von Treibhausgasen ohne Zustimmung des Kongresses zu treffen. In Kopenhagen hat diese Nachricht für freudige Aufregung und ein bisschen vorgezogene Durchbruchsstimmung gesorgt. Eins dürfte klar sein: Die Erwartungen an den Auftritt von Obama nächste Woche auf der Konferenz sind massiv gestiegen. Rechtlich hat er nun die alleinige Entscheidungsmacht über die Zusagen der USA was die Reduktion von Treibhausgasen angeht. Politisch ist dies natürlich nicht ganz so leicht und so wird die Entscheidung der EPA eher als Druckmittel für Obama gegenüber dem Kongress eingeschätzt.  Obama wird eine Zustimmung des Kongresses zu seinen Klimaplänen wollen, denn mit dem Parlament im Rücken sind die Maßnahmen deutlich leichter umzusetzen.

Die UN Wetterbehörde hat heute mitgeteilt, dass der Klimawandel schon voll im Gange ist.  Wir befinden uns im wärmsten Jahrzehnt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und auch eine neue Risiko-Skala ist heute veröffentlich worden. Demnach sind die am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder allesamt Entwicklungsländer, am stärksten betroffen wird laut Prognose Bangladesh sein. Dessen VertreterInnen reagierten darauf heute promt, in dem sie von einem noch festzulegenden internationalen Klimawandel-Ausgleichsfond schonmal 15% einforderten. Das hat für einige Irritationen gesorgt, ist aber in sofern aus der Perspektive von Bangladesh ein schlauer Schachzug, als das jetzt schonmal eine Zahl auf dem Tisch ist von der man das Land erstmal wieder runterverhandeln muss.

Das deutsche Verhandlungspaket war bisher fest verschnürt, heute sind die wenig erstaunlichen Reduktionsziele an die Öffentlichkeit gedrungen. So soll bei einer EU-weiten Reduktion um 30% gegenüber 1990 Deutschland 40% erbringen wollen. Da durch den Zusammenbruch der DDR davon bereits 20% geschafft sind, geht es für Deutschland in Wirklichkeit um eine CO2-Reduktion um 20%. Einige munkeln, dass auch durch die Wirtschaftskrise schon wieder einige Prozent geschafft worden seien und daher nur noch 10-20% auf der Aktionliste der Bundesregierung stehen würden.

Generell scheint allerdings noch die Devise zu gelten “Wer sich zuerst bewegt hat verloren”. Das ist zwar einerseits sehr schade, andererseits aber nichts erstaunliches. Es wird um Informationen und Zugeständnisse gepokert und die Unterhändler wollen sich für ihre Verhandlungsstrategie vor allem erstmal mit ihrer Position verorten. Mit den nächsten Tagen wird die Konferenz sicherlich noch sehr viel mehr Schwung aufnehmen und spätestens nächste Woche geht es dann um konkrete Ergebnisse. Ich bin mir sicher auf dieser Konferenz kann und wird noch viel passieren.

Beim Klimaforum, dem Alternativgipfel oder “People’s summit” herrschte heute Mittag noch viel Ankommens-Trubel. Dennoch sind die ersten Workshops und Gesprächsrunden bereits gestartet, alles ist sehr professionell organisiert.  Internetanschlüsse werden kostenlos und in großer Zahl zur Verfügung gestellt. Die Vorträge der ReferentInnen werden in 4 verschiedene Sprachen übersetzt, jedeR kann Kopfhörer bekommen und so den Gesprächen und Vorträgen folgen.  Es laufen immer 5-6 Angebote parallel, so dass die Entscheidung manchmal sehr schwer fällt.

7. Dezember 2009

Auf nach Kopenhagen!

Schon weit vielen Wochen ist von diesem Ereignis in den Medien die Rede gewesen. Heute ist die Klimakonferenz im BellaCenter in Kopenhagen offiziell gestartet. Vor dem Eingang hatte sich bereits heute Morgen eine riesige Schlange von NGO-VertreterInnen gebildet, die auf Einlass warten. In der Luft liegt ein Mix aus Freude über den Beginn und angespannter Hoffnung über den Ausgang der Konferenz. Auch im Zentrum des Klimaforums, der Alternativgipfel zur COP15, ist es schon ziemlich voll. Neben vielen verschiedenen Workshops zu unterschiedlichen Themen rund um den Klimawandel wird hier in den nächsten 2 Woche parallel zum Klimagipfel eine Erklärung erarbeitet. Nach den harten Arbeitstagen wird es hier am Abend immer kulturell. Konzerte, Film- und Theatervorführungen und jede Menge Möglichkeiten sich mit anderen KlimaschützerInnen auszutauschen.
Der Rathausplatz ist hingegen in einen großen Informationspark “HopenhagenCity” umgewandelt worden. Zu allem möglichen Themen kann man sich hier informieren, für Kinder gibt es die Möglichkeit in einem SciencePark mit Solarmodulen und ähnlichem zu experimentieren.
Ich werde in den nächsten zwei Wochen hier vor Ort sein und von dieser Stadt und der Konferenz berichten.

25. Oktober 2009

Weltklimatag am 24.10.2009

Marlene mit 350 - Transparent

Anlässlich des weltweiten Klima-Aktionstages und der bevorstehenden Klimakonferenz habe ich an einer Klimaaktion in Kopenhagen teilgenommen. Zusammen mit anderen Menschen wurde auf dem Kopenhagner Rathausplatz die Zahl 350 geformt. Dies symbolisiert die Obergrenze an Kohlendioxid in der Atmosphäre (350 ppm), die vertretbar ist und keine größeren Schäden hervorrufen würde. Derzeit liegt die Konzentration bei 390 ppm.  Die weltweiten Aktionen sollen ein Signal an die Klimakonferenz in Kopenhagen sein: Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung und ist kurz davor sie zu verlieren. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen muss auf jeden Fall mehr rauskommen als einige unverbindliche Abmachungen, wir brauchen dringend ein konkretes und durchgreifendes Abkommen! Besonders freue ich mich darüber, dass so viele Menschen an der Aktion teilgenommen haben und gezeigt haben, dass sie mehr Klimaschutz wollen und das sie nicht länger warten werden. Nun sind die Regierungen gefragt nicht weiter rumzurede, sondern anzupacken.

Weitere Infos: www.350.org/de

350.org event copenhagen 24th oct 2009

18. September 2009

Kopenhagen will bis 2025 klimaneutral werden. Ein Vorbild für deutsche Städte?

Einige Monate bevor Kopenhagen Gaststadt der Klimakonferenz COP 15 ist, hat sich die Stadt selbst ambitionierte Klimaschutzpläne gesetzt. Bis 2015 sollen 20% CO2 eingespart werden, 2025 will Kopenhagen klimaneutral werden.  Die geplanten Einsparungen und Maßnahmen sind folgendermaßen geplant:

  • Energieerzeugung: jährlich 375 000 Tonnen CO2 sparen. Dazu soll vor allem in Windenergie in und um Kopenhagen investiert werden, um so Schritt für Schritt Kohlekraft zu ersetzen.
  • Gebäudebau und – sanierung: jährlich 50 000 Tonnen CO2 sparen. Dies vor allem durch energetische Sanierung von Schulen, öffentlichen Gebäuden und Sporthallen.
  • Transport: jährlich 50 000 Tonnen CO2 sparen; Förderung von Autos, die auf Elektro- und Wasserkraftbasis fahren.
  • EinwohnerInnen: jährlich 20 000 Tonnen CO2 sparen. Hier soll vor allem auf Bildungsmaßnahmen gesetzt werden.  “We are raising a new climate-aware generation”.
  • Stadtplanung: jährlich 5 000 Tonnen CO2 sparen, vor allem durch den Bau von Häusern mit dem niedrigsten Energieverbrauch der möglich ist.
  • Hinzu kommt das Einrichten von sog. Minipark als “Lungen der Stadt

Für den ersten Teil des Klimaplanes – 20% Reduktion bis 2015 – wurden 50 verschiedene Aktionen und Initiativen entwickelt, die nach und nach umgesetzt werden sollen. Unter anderem sollen alle Hausdächer in Kopenhagen mit einer WärmebiWindturbinenfluegel auf Rathausplatz in Kopenhagenldkamera fotografiert werden, um so den EinwohnerInnen zu zeigen, wo sich Solaranlagen besonders lohnen (Ähnlicher Vorschlag wurde von den Grünen in Flensburg bereits für Flensburg gemacht). Um bei Kindern ein Bewusstsein für Klima- und Energiefragen zu schaffen, werden verschiedene Mitmach-Aktionen initiert. So wurde zum Beispiel heute (18.9.09) ein riesiger Windturbinenflügel auf dem Rathausplatz platziert. Auf diesem konnten die Kinder ihren Handabdruck hinterlassen. Passanten und Eltern wurden über die Klimapläne der Stadt informiert und konnten ganz konkret eine neue Art von Miniwindkraftanlagen bewundern, die gleich mehrfach auf dem Platz aufgestellt waren.

Ein weiteres Beispiel: Bis Anfang Dezember 2009 soll die gesamte Straßenbeleuchtung mit Halogen- und LED- Licht betrieben werden. Dies soll 30-40% an CO2-Emmissionseinsparung bringen und wird am 07.12. für die EinwohnerInnen erfahrbar gemacht – durch Lichttouren in Kopenhagen bei Nacht.

Auf der Internetseite der Kampagne werden die KopenhagenerInnen viele Hintergrundinfos und Asukünfte gegeben. Unter anderem ist dort erklärt was es mit einem CO2-Fussabdruck auf sich hat. Dort sind auch zahlreiche Vorbildprojekte genannt und werden vorgestellt. Unter anderem das Projekt der Vanløse Schule, welches als Musterprojekt bis 2015 CO2-neutral sein soll und die im Unterricht sehr viel darauf setzt, den Kindern ein Bewusstsein für Energie und Umwelt zu vermitteln.

Die Vielfalt der Projekte im Klimaplan von Kopenhagen ist beeindruckend. Vor allem weil sehr kreativ und intelligent versucht wird, mit verschiedenen Aktionen alle Bevölkerungsgruppen anzusprechen und sie einzubeziehen.  Jedoch hat Kopenhagen gerade im Verkehrssektor einen riesigen Trumpf im Ärmel: Das Fahrradwegenetz ist für deutsche Verhältnisse vorbildlich ausgebaut und wird auch dementsprechend genutzt. Während in anderen Städten die Rush-Hour auf der Straße stattfindet, passiert dies in Kopenhagen auf dem Fahrradweg. Darauf wurde in der Verkehrsleitung reagiert, und nun sind viele Ampel nach den Radfahrern getaktet und nicht mehr nach den Autos…

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