Artikel getaggt mit ‘USA’

15. Februar 2010

Ein Tag an der Uni

Tag 5 in den USA

Den heutigen Tag haben wir an der Universität von Colorado in Boulder verbracht und drei sehr interessante Vorträge gehört.

Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung in die Greening Strategy der Universität von deren Präsident Philip DiStefano, beschäftigte sich der erste Vortrag von Dr. William Boyd mit den Aussichten für zukünftige internationale und US- Klima- und Energiepolitik. Boyd hat zunächst einen kurzen Überblick über die Klimaverhandlungen aus einer US-Perspektive gegeben. Demnach hatte die USA insbesondere 2 Probleme Kyoto beizutreten: 1) Kyoto hat keinen langfristigen Strategieplan zum Umgang mit dem Klimawandel vorgesehen und 2) die Entwicklungsländer hatten unter dem Kyoto-Protokoll keine Verpflichtungen zur Reduzierung von Emissionen. 1997 gab es dann eine Resolution im US Senat, die festgelegt hat, dass die USA keinem internationalen Klimaabkommen beitreten wird, in dem Entwicklungsländer keine Reduktionsverpflichtungen eingehen. Somit war schon in diesem Moment klar, dass die USA das Kyoto-Protokoll niemals ratifizieren werden. Dennoch haben sie weiter mit verhandelt. Mit dem Amtsantritt von George W. Bush 2001 haben sich die USA dann ganz aus dem Kyoto-Prozess zurück gezogen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die USA für ein Post-Kyotoabkommen keine Verlängerung des Protokolls wollen, sondern wenn überhaupt etwas globales, dann ein neues System.

Mit dem sogenannten „Copenhagen Accord“ – dem Abschlusspapier der Klimakonferenz von Kopenhagen – sind wir davon allerdings weit entfernt. Die einzige Aufgabe dieses Papieres ist es, die Reduktionsziele der einzelnen Staaten abzufragen. Die USA haben – wie schon auf der Konferenz – 17% weniger als 2005 angekündigt. Da normalerweise 1990 als Basisjahr in den internationalen Klimaverhandlungen benutzt wird: Dies bedeutet 0% CO-Reduzierung gegenüber dem Ausstoß von 1990.

Dieses neue System welches die USA wollen, wird nach den Entwartungen von Boyd kein multilaterales werden, sondern wahrscheinlich eher ein Abkommen zwischen den größten Emittenten, die dann wiederum bilateral Abkommen mit den Entwicklungsländern schließen.

Der zweite Vortrag des Tages beschäftigte sich mit „Natural Capitalism Solutions“ und wurde von der Firmengründerin Hunter Lovins gehalten. In vielen beeindruckenden Beispielen hat sie uns gezeigt, dass die Entwicklung einer grünen Wirtschaft in den USA nicht aus Washington angestoßen werden wird, sondern von dem Firmen selber gemacht wird. Und das alles aus einem ganz einfachen Grund – weniger (Rohstoff)verbrauch = weniger Ausgaben = mehr Profit. Neben Firmen wie Walmart sind auch viele Regionen in den USA und Kanada auf dem Weg in eine grünere Zukunft. So hat beispielsweise Ontario in Kanada beschlossen alle 15 Kohlekraftwerke nacheinander stillzulegen und mit Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Besonders interessant fand ich die Innovation von Shai Agassi, Gründer von Better Place. Dieser versucht gerade in einem Modellprojekt mit Dänemark und Israel Elektomobilität weiter voranzutreiben. Die Idee ist, dass die Elektroautos sehr günstig an interessierte Menschen verkauft werden.  Zudem werden Aufladestationen gebaut, die so funktionieren, dass man mit dem Auto in diese Station reinfährt und in der gleichen Zeit, in der man sonst Benzin tanken würde, wird hier der Akku gewechselt. So hat man durch das Fahren eines Elektroautos keine zeitlichen Nachteile, allerdings ist man an die Aufladestationen von Better Place gebunden.  Auf jeden Fall ein Projekt, dessen Entwicklung man beobachten sollte…

Nach diesem beiden Vorträgen gab eine eine Besichtigungstour der University of Colorado. Da sich auch diese Universität auf den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Uni gemacht hat, sollten uns hier die ersten Schritte der Universität gezeigt werden. Besonders wird hierbei der Fokus im Moment auf die Abfallerzeugung gelegt und es wird versucht, nur noch recyclefähige Materialien zu benutzen. Das klappt meist nicht so gut, wie der gute Herr, der uns rumgeführt hat, erzählen wollte, aber immerhin tut sich was an der Uni. Ebenso ist die Anzahl der Fahrräder, die vor der Tür parken und die zu einem wahren Schwall an stolzen Hinweisen geführt haben, für Europäer oftmals nicht vielmehr als ein müdes Lächeln wert.

Roger Pielke‘s Vortrag über “Simple math and complex politics: what’s next after Copenhagen“ war dann der letzte des Tages. Und irgendwie waren auch alle schon ein bisschen müde. Pielkes Ansatz ist es zu gucken, welche mathematischen Faktoren den Klimawandel beeinflussen und an welchen Schrauben man konsequenterweise drehen muss und kann. Am meisten gestört hat mich an dem Vortrag, dass zum einen einige zukünftige Entwicklungen meiner Meinung nach nicht mit eingespeist wurden und dass sein Lösungsversuch ausschließlich auf Technik setzt. Ich glaube, dass im langfristigen Blick auch eine Verhaltunsveränderung durch verstärkte Bildung in diesem Bereich durchaus zum Klimaschutz beitragen kann. Zudem müssen wir nicht nur neue Technik bauen und erfinden. Würde man zum Beispiel den ÖPNV in Deutschland massiv ausbauen und Autos in Städten überflüssig machen, dann würde auch das zum Klimaschutz beitragen.

Der Abend ging zu Ende mit einer sogenannten „Euronight“, welche an der Universität als monatlichen Event etabliert werden sollen. Unsere Gruppe war sozusagen der Auftakt dafür. Außer uns waren aber nicht viele Leute da. Diejenigen, die gekommen waren, waren zum größten Teil asiatischer Abstammung. Trotz der wenigen Teilnehmer gab es viele interessante Unterhaltungen.

14. Februar 2010

Klimaflüchtlinge

Tag 4 in den USA

Zu sehen gab es heute beim Boulder International Film Festival den Klimafilm “Climate Refugees” (Klimaflüchtlinge) von Micheal Nash.


Über 18 Monate ist Nash  durch die Welt gereist und hat eine wirklich beeindruckende Dokumentation über die bereits exisitierenden Klimaflüchtlinge gedreht, um zu zeigen wie katastrophal die Zustände werden können, wenn wir heute nichts unternehmen.
Mit europäischen Augen gesehen macht der Film zudem sehr schön deutlich, wo die Klimadebatte derzeit in den USA steht. Denn während vieler Orts immer noch darüber diskutiert wird, ob es den Klimawandel tatsächlich gibt, flüchten andere schon vor den Folgen (New Orleans – Hurricane Kathrina). Der Film ist nicht zuletzt ein eindringlicher Aufruf an das Land des Filmautors, endlich aufzuhören zu diskutieren und anzufangen zu handeln – und zwar so viel wie jeder und jede es leisten kann.

13. Februar 2010

Im Dialog mit Amerika

Ja, Ja, gestern habe ich noch über die “katastrophalen” Schneemengen in Washington gewitzelt. Heute morgen war ich dann die erste, die sich vor dem Hotel auf glatter Straße hingelegt hat. Trotz dieses kleinen Ausrutschers zu Beginn war der Tag jedoch ein voller Erfolg. Es gab jede Menge interessanter Unterhaltungen und Termine und auch die Gruppe findet allmählich zueinander.

Nach einer allgemeinen Einführung war der erste Termin der Klimagruppe ein Treffen im Department of Energy (Energieministerium) mit Rick Duke, zuständig für Klimapolitik und internationale Beziehungen. Die Abteilung für Klimapolitik ist erst unter der Obama-Regierung entstanden und dem entsprechend wirkte auch der gute Mr. Duke recht neu in seiner Agumentationswelt. Dennoch war das Treffen sehr interessant, vor allem weil sehr deutlich geworden welch große Bedeutung dem Senat zugeschrieben wird. Unschön ist, dass durch diese Erfurcht vor der Entscheidung der Senatoren eine ängstliche Aversion gegen neues und unkonventionelles Denken zu existieren scheint. Neben dem stetigen Verweis auf die tollen Erfolge der einzelnen Bundesstaaten im Kampf gegen den Klimawandel (und der unausgesprochenen Schlußfolgerung, dass dies Handlungsdruck von der Bundesebene nimmt), ist es auch nicht verwunderlich, dass Obama und seine Energieexperten Atomkraft weiterhin als eine wichtige Energiequelle im Kampf gegen den Klimawandel ansehen und auch CCS (Carbon Capture and Storage) als essentieller Teil der Werkzeuge betrachtet wird, um die Wirtschaft zu Klimafreundlicher zu gestalten.

Das zweite Klimatreffen des Tages fand dann beim Natural Resources Defense Council (NRDC, Rat zur verteidigung natürlicher Rohstoffe).  Das NDRC ist hauptsächlich eine amerikanische NGO, hat jedoch einige Büros auch im Ausland (z.B. in Peking). Hauptziel ist die Mitwirkung an der Willensbildung der amerikanischen Zivilgesellschaft und der Abgeordneten in Fragen von Umweltschutz und Klima. Der dortige Klimaexperte Jake Schmidt war nicht der Meinung dass ein bindendes Abkommen bis 2012 erreicht werden kann, dass dies jedoch auch nicht wirklich notwendig sei. Wichtig sei vor allem, dass die USA endlich einen Schritt vorwärts macht und sich zu einem ausreichenden Teil für CO2-Reduktionen verantwortlich zeichnet. Warum dafür kein Vertrag notwendig sei und wie man eine solche Zusage im Zweifel einfordern kann blieb allerdings unklar.
Interessant ist, dass das Pentagon in einer kürzlich vorgestellten Studie Klimawandel als potentielle Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft hat und dem Thema somit seitdem in den USA eine weitaus fundamentalere und weitreichendere Bedeutung zukommt.

Insgesamt hat der Tag heute gezeigt, dass es noch einige Meinungsverschiedenheiten über den Begriff “Green Energy” gibt (gehört CCS dazu?) und dass die USA sich sehr viel mehr in der Führungsrolle sehen als sie von außen wahrgenommen werden. Alleine Obamas Ankündigung, den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache zu machen, stellt ihn jedoch bisher auf kein besseres Level als Merkel. Erst wenn er wirklich effektive Maßnahmen implementiert bzw. weitreichende (und verbindliche!) internationale Zusagen macht, kann er Europa unter Zugzwang bringen. Unterdessen wird allerdings lieber die Zusammenarbeit mit China und Indien ausgebaut, denn dort hat die USA ihren Führungsbonus noch nicht total verspielt…

12. Februar 2010

“Storm paralyzes air travel”

Das Städtedreieck Washington-Philadelphia-New York ist am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in einem Schneesturm versunken. An Flugbetrieb war daher gar nicht zu denken und deshalb ging auch meine Reise erst verspätet los. Inzwischen ist aber wieder etwas Normalität im Luftverkehr eingekehrt und bei der Landung in Washington wundert man sich schon ein wenig, wo denn der ganze Schnee auf einmal hin ist. Eine Fehmarnerin würde über diese Schneemenge nach den letzten Monaten wahrscheinlich nur müde lächeln.

Das richtige Programm startet aufgrund dieser Wetter-Widrigkeiten erst morgen und beginnt mit einem Besuch beim Natural Resources Defense Council (NRDC) und dem Department of Energy (US Energieministerium) mit dem groben Thema “Rückblick auf Kopenhagen”. Sicherlich ein spannendes Thema gerade aus der Perspektive der USA.

Am Samstag wird es dann weiter gehen nach Colorado, wo ich mich die meiste Zeit des Programmes aufhalten werde.

Zum Hintergrund: Beim “Young Leaders Dialogue with America” werden 48 junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren aus Europa in die USA eingeladen, um dort mit verschiedenen Institutionen über Themen wie Klimawandel, Trans-Atlantische Beziehungen und Multikulturalismus zu diskutieren.

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